Waldbühne

(M = Musik, Band, T = Theater, P = Performance).

Donnerstag, 31. August 2017:

(T, P) ,,MAEN“ Szenische Dokumentation über Männlichkeit

Freitag, 01. September 2017:

(T) „Borderline“: A satire of Calais Jungle devised and performed by an ensemble of European and refugee artists from Syria, Sudan and Afghanistan.

(M, P) Rap, Politsatire, Electronic Avantgarde, Klezmer

Samstag, 02. September 2017:

(P) Agitprop, Aktionskunst

(M) Hip Hop, Rave Riot, Cumbia

Sonntag, 03. September 2017:

(M) Revolutionsromatische Lieder, Punkrock mit Akkordeon und Klampfe

Punxpalast

Donnerstag, 31. August 2017:

 
(M) Punk
(M) Punk
(M) Punk
 
Freitag, 01. September 2017:
 
  DIY-Synth-Löt-Workshop für kleines Geld, Bauteile sind vorhanden
 
(M) Punk
(M) Punk
(M) Punk
(M) Punk
 
Samstag, 02. September 2017:
 
Lesung mit Ute Wieners
 
(M) Punk
(M) Punk
(M) Punk
(M) Punk
 
Wer beim Pogo unter die Räder gerät ist nicht selbst schuld daran, sondern es sind die Verhältnisse!
Bei uns im Punxpalast ist nicht der Ellbogen der wichtigste Körperteil, sondern das wütend pochende Punker_innenherz. 
Unser Beitrag zu Emanzipation und Austausch: Laute Musik, warmes Bier und die Chance auf ein wenig Bildung tagsüber.
 
Dass letztes Jahr ein wütender Mob die Maulwürfe angriff,  war nicht unsere Intention und lag auch nicht an einer angeblichen Diktatur der Roten Beete. Vielmehr war hier jungmännliche Hysterie am Werk, die sich in fehlgeleiteter Revolutionsromantik äußerte und dabei unfähig war, den wahren Feind zu identifizieren.
Wir freuen uns auch dieses Jahr wieder auf Delikatessen aus rotem Wurzelgemüse!
 
 
 

Workshopprogramm

Donnerstag, 31. August 2017:

Camperöffnung und Workshopvorstellung an der Waldbühne

20-21Uhr

Workshopblock 1

21-23 Uhr

Freitag, 01. September 2017:

Workshopvorstellung 1 an der Waldbühne

11:30-12 Uhr

Workshopblock 1

12-14 Uhr

Workshopvorstellung 2 an der Waldbühne

15:30-16 Uhr

Workshopblock 2

16-18 Uhr

Samstag, 02. September 2017:

Workshopvorstellung 1 an der Waldbühne

11:30-12 Uhr

Workshopblock 1

12-14 Uhr

Workshopvorstellung 2 an der Waldbühne

15:30-16 Uhr

Workshopblock 2

16-18 Uhr

In den nächsten Tagen und Wochen veröffenlichen wir hier laufend die Titel und Teaser unseres Workshopprogramms für 2017. Eines ist sicher: Das Programm wird eine vielfältige und interessante Mischung aus Workshops und Vorträgen die sowohl für Einsteiger*innen geeignet sind als auch tiefergehend auf die Themen eingehen und aktuelle politische Geschehnisse wie auch linke Dauerbrenner behandeln.

WORKSHOP TEASER

Renate Dillmann

Acht bis zehn Einwände gegen Kapitalismus, Demokratie und Nation

In diesem Workshop soll es um die big points der Gesellschaftskritik gehen:

• Was zeichnet eine kapitalistische Produktionsweise aus? Und was hat es mit dem Eigentum auf sich? Ist das ein Spleen der Kommunisten – oder was ist daran so wichtig? Was meint der Vorwurf „Klassengesellschaft“? Ist der nicht viel zu undifferenziert?

• Demokratie bedeutet, dass alle Mitglieder einer Gesellschaft mit bestimmen sollen. Was ist daran kritikabel?

• Nationalismus halten viele für doof und gemein. Aber was ist das eigentlich? Eine falsche Einstellung, die man/frau auch sein lassen könnte?

Ein Workshop, der sich an alle richtet, die an dieser Gesellschaft das ein oder andere schädlich finden, und dem „System“ daran auf der Spur sind.

 

 

Renate Dillmann

100 Jahre nach der Oktoberrevolution

Was wollte der reale Sozialismus?

Seit es den Kapitalismus gibt, gibt es Kritik an ihm, die auf’s Grundsätzliche zielt und ihn überwinden will. Mit der Oktoberrevolution in Russland hat sich diese linke Kritik erstmals einen Staat erobert: Der Sozialismus wurde „real“.

Hundert Jahre später existieren die Sowjetunion und die ihrem Sozialismus mehr oder weniger nacheifernden Projekte nicht mehr. Der Kapitalismus dagegen lebt munter weiter, produziert Kapitalwachstum, Armut, Krisen und Kriege.

Wir wollen einen Blick in die Vergangenheit werfen und fragen:

Was war die zentrale Kritik der früheren Sozialisten an Kapitalismus und Staat?
Wie haben sie diese Kritik in ihren Ländern praktisch umgesetzt?
Was waren die Leistungen und was die systematischen Mängel ihrer Projekte?
Und schließlich: Wohin haben die Sowjetunion bzw. China sich gewandelt?

 

 

Sozialistische Gruppe (SG) Erlangen/Nürnberg

Rückblick auf den G20: Klarstellungen zum imperialistischen Gehalt einer „Inszenierung“

Die linken Protestierer gegen den G20 haben sich zugute gehalten, dass sie mit ihren Demos und Aktionen zumindest die Inszenierung angekratzt haben, die die Macher solcher Gipfel auch immer anstreben. Und es war ja auch unübersehbar, welche Demo Kanzlerin Merkel mit der Vorbereitung und Durchführung des Hamburger Gipfel verband: Deutschland ist in der Welt ein Hort von Liberalität, Demokratie, Weltoffenheit und Diskussionsbereitschaft, die deutsche Staatsführung steht deswegen einer so was von guten und deshalb zur Verantwortungsübernahme für die ganze Welt berufenen Macht vor. Für diese Inszenierung hat Kanzlerin Merkel die Kritik am Gipfel und an den dort versammelten Staatsmännern und -frauen ziemlich pauschal vereinnahmt und ihnen die Rolle einer Unterstreichung deutschen Verantwortungsbewusstseins gegeben. Diese „ideologische Soße“ wollten die Veranstalter der „Welcome to hell“-Protestaktionen „versalzen“ und haben dieses Ziel nach eigenem Bekunden auch erreicht. Nur, ist diese Inszenierung überhaupt der Zweck, warum sich die Staatschefs der 20 der reichsten und mächtigsten Nationen treffen? Trifft das überhaupt solche Gipfel im Allgemeinen und diesen Gipfel im Besonderen? Werden solche Gipfel wirklich dafür gemacht, um das – passive – Publikum zu beeindrucken? Stand da für die – regierenden –Teilnehmer nicht etwas anderes als das Gelingen dieser Inszenierung auf dem Spiel? Für die drehte sich jedenfalls alles um den neuen US-Präsidenten Trump: Kommt er überhaupt? Lässt er das Treffen platzen? Unterschreibt er die Abschlusserklärung? Deren Problem auf solchen Gipfeln ist also offenbar nicht, welchen Eindruck sie auf eine wie immer auch definierte Weltöffentlichkeit machen, sondern die Probleme, die sie miteinander und wegen einander haben. Und die haben mit der Inszenierung eines schönen Scheins nichts zu tun.

Weil unserer Ansicht nach den Protestieren gar nicht klar ist, gegen welche Veranstaltung sie da protestiert haben, wollen wir auf unserem Workshop nicht über den Protest und über seine Formen reden, sondern über den Gipfel selbst, nämlich darüber, was da verhandelt wurde und welche Gegensätze da die Staatschefs betätigt haben. Im Übrigen: Wenn man sich das klar macht, dann macht man sich auch ein Stück weit klar, wie moderner Imperialismus funktioniert.

 

 

Gruppe K

Rechtspopulismus in Deutschland am Beispiel der AfD

Völkischer Rassismus und rechtspopulistische Parteien gewinnen in Europa (wieder) an Bedeutung. Der Front National, die FPÖ, oder PiS sind nicht mehr nur das Sprachrohr einer gesellschaftlichen Minderheit, sondern die entsprechenden Ideologien sind „in der Mitte der Gesellschaft“ angekommen. Auch Deutschland hat mit der AfD eine solche neue rechtspopulistische Partei, die bereits bei diversen Landtagswahlen erhebliche Wahlsiege einfahren und allen anderen Parteien Wählerstimmen abringen konnte.

Die etablierten Parteien und die bürgerliche Presse bewältigen diese neue Parteienkonkurrenz, indem sie die AfD als einen Haufen irrationaler und unseriöser „Wutbürger“ darstellen, die das Volk in Rattenfänger-Manier einlullen und als „Protestwähler“ auf sich beziehen. Die anständigen Machthaber versuchen daher einerseits die AfD-VertreterInnen als Ewiggestrige vom politischen Geschehen auszugrenzen. Andererseits biedern sie sich bei deren Fans als bessere und vernünftigere Version der AfD an, indem sie sich verständnisvoll auf die nationalistische Kritik an ihrer Politik beziehen und die verantwortungsbewusstere Lösung anbieten.

Folgende Fragen werden in der öffentlichen Auseinandersetzung mit der AfD kaum oder gar nicht gestellt:

  1. Was ist überhaupt das politische Programm der AfD?
  2. Wie bezieht sie sich damit auf die gesellschaftlichen Verhältnisse und die etablierte Politik?
  3. Und warum kann die AfD damit beim Volk landen?

Diese Fragen wollen wir anhand exemplarischer Zitate von AfD-PolitikerInnen und Auszügen aus dem Parteiprogramm im Workshop beantworten und so eine (inhaltlich) starke linke Kritik (in Abgrenzung zu einer linken Kritik, die genauso denunziatorisch und mit dem Argument der moralischen Verwerflichkeit unterwegs ist) und Argumente gegen die AfD erarbeiten.

 

 

Gruppe K

Das macht mich alles krank! – Gesundheit im Kapitalismus (Zweiteiliger Workshop)

Gesund sein ist für jeden Menschen gesetztes Ziel. Dennoch gibt es mittlerweile kaum noch jemanden, der nicht Kopf, Rücken, Herz oder Schlimmeres hat. Ein Großteil der heutigen Erkrankungen läuft unter dem Stichwort „Zivilisationskrankheiten“, als ob diese Art von Krankheiten unumgängliche Begleiterscheinungen des menschlichen Fortschritts wären. Unsere Behauptung: Sie haben mit dieser sehr speziellen – kapitalistischen – Form der Zivilisation zu tun und sind somit auch kein unvermeidliches Schicksal. Was genau sie damit zu tun haben, das fragt sich die Medizin nicht, aber wir schon.

Was passiert eigentlich, wenn es einen erwischt hat?, Offensichtlich wird man mit der Krankheit nicht allein gelassen, sondern es gibt ein staatlich organisiertes Gesundheitssystem. Die Ursachen der modernen Volkskrankheiten schafft das allerdings nicht aus der Welt, sondern getreu dem Motto „Fit zum Funktionieren“ erfüllt es seine Zwecke für den Erfolg dieser krankmachenden Ökonomie.

In diesem Workshop wollen wir uns gemeinsam mit euch diese und weitere Behauptungen diskutieren.

 

 

Dr. Christine Zunke

Hirnforschung: Ideologie der Fakten

Die anhaltende öffentliche Begeisterung für die Neurophysiologie wie auch die vehemente Kritik an ihr wird weniger durch ihre Resultate als durch die ständige Erweiterung der sich durch sie versprochenen Möglichkeiten genährt. Die bildgebenden Verfahren werden immer genauer, die aufgedeckten Korrelationen zwischen mentalen Inhalten und neuronalem Hirngeschehen immer zahlreicher, die Möglichkeit technisch-praktischer Umsetzungen in Medizin und Enhancement, der Verbesserung der kognitiven und emotionalen Fähigkeiten des Menschen durch Medikamente oder Neuro-Technologien, immer greifbarer. All dies verspricht, den Menschen in seinen Handlungen und letztlich das komplexe Geflecht der Gesellschaft auf seine vermeintlich natürlichen Ursachen zu beziehen und dadurch exakter fassen und lenken zu können. Das menschliche Handeln wird direkt im Naturstoff seines Gehirns erforscht, und Naturbeherrschung ist auch hier das angestrebte Ziel der Forschung. Fächer wie Pädagogik oder Psychologie lassen sich heute ohne Bezugnahme auf neuronale Zusammenhänge nicht mehr studieren. Hierbei wird gerne der Anschein erweckt, dieser Bezug sei jeweils wechselseitig. Führende Neurophysiologen betonen, dass die Hirnforschung in ihren Fragen, Antworten und Interpretationen unmittelbar an die Sozial- und Geisteswissenschaften anknüpfe. Das stimmt jedoch nur bedingt – die neurophysiologischen Forschungen knüpfen insbesondere an eine Soziobiologie an, die sich traditionell an der Verhaltensbiologie orientiert. Entsprechend sind ihre Fragestellungen und Methoden genuin biologistische. Eine kritische Theorie der Gesellschaft wird mit diesem Ansatz von vornherein verunmöglicht. In der Neurophysiologie tritt deutlich hervor, wie Wissenschaft unbewusst Ideologie produziert, indem ihr Maßstab der Objektivität keine Reflexion auf ihre gesellschaftlichen Erkenntnisbedingungen zulässt. Eine Kritik der Neurowissenschaften die nicht immanent bleibt ist darum mehr, als bloßes Korrektiv einer Einzelwissenschaft zu sein: Sie ist zugleich eine Kritik positivistischer Wissenschaft.

Grundlage ist der Text:

Es ist nicht alles Schein, was trügt. Die Hirnforschung zwischen Erkenntnisfortschritt und Ideologieproduktion
In: Zeitschrift für kritische Theorie, Heft 34/35 2012, W. Bock, S. Kramer, G. Schweppenhäuser (Hg.),zu Klampen Verlag, Lüneburg 2012, S. 141-162.

 

 

Ralf Ruckus
 
Antipatriarchale Kämpfe im maoistischen und postmaoistischen China
 
Die Befreiung der Frauen vom feudalistischen Patriarchat war eins der Versprechen des Maoismus in China. Die soziale Situation vieler Frauen verbesserte sich in den 1950ern tatsächlich, aber die feministische Revolution fand nicht statt. Schnell entstand ein maoistisches Patriarchat in den Städten wie auf dem Land, das auch während der Kulturrevolution in den 1960ern kaum aufgebrochen wurde. Mit dem kapitalistischen Umbau ab den 1970ern veränderte sich die patriarchale Konfiguration erneut. Zwar konnten sich einige Frauen neue Freiräume erkämpfen, aber die meisten fanden sich in neuen Ausbeutungsverhältnissen wieder. Mehrere aufeinander folgende Generationen proletarischer Frauen mussten sich mit unterschiedlichen Unterdrückungsbedingungen auseinandersetzen und entwickelten spezifische Verhaltens- und Widerstandsformen etwa gegenüber Chefs, Bürokraten und ihrer Familie. Bedingungen und Widerstandsformen städtischer, ländlicher und migrantischer Frauen fanden Ausdruck in unterschiedlichen politischen Feminismen. Welche Möglichkeiten haben Frauen in China heute, sich mehr Kontrolle über ihr Leben zu erkämpfen?

 

 

Anarchistische Gruppe Freiburg

Einführung in die kritische Theorie
Ist man in der linken Subkultur oder in der linken Studentenszene unterwegs stolpert man ab und an über sie: Die kritische Theorie. Mit ihr verbinden sich Namen wie Theodor W. Adorno, Max Horkheimer oder Herbert Marcuse und Buchtitel wie „Dialektik der Aufklärung“, „Der eindimensionale Mensch“ oder „Studien zum autoritären Charakter“. Man weiß über sie, dass sie kompliziert sei, irgendwie praxisfeindlich, aber doch mit der Studierendenbewegung 1968 folgend zusammenhängend.

Der Workshop will etwas Licht ins Dunkle bringen: Es sollen einige Grundgedanken der obigen Denker vorgestellt und erklärt werden was die „kritische“ von einer konventionellen Theorie unterscheidet. Auch wollen wir uns den Entstehungszusammenhang der Gedanken – welche erst später zur Frankfurter Schule synthetisiert wurden – anschauen. Nebenbei werden wir einen wilden Streifzug durch die Werke Marx, Freuds und der Philosophen der bürgerlichen Aufklärung absolvieren.

Am Ende werden viele Fragezeichen zurückbleiben, aber möglicherweise auch die Motivation sich weiter mit der kritischen Theorie der Gesellschaft zu beschäftigen oder gar einmal selbst seine Nase in die alten Schmöker zu stecken.

 

 

Paul Kraut

Was ist eigentlich Anarchie und was wollen die Anarchisten?“

Ein einführender Vortrag in die politische Philosophie des Anarchismus.

Über Anarchismus gibt es vielerlei Vorstellungen: Für die einen „herrscht“ Anarchie, zum Beispiel in Somalia oder anderen Weltgegenden, für die Anderen heißt Anarchie die Abwesenheit jeder sozialen Ordnung oder politischen Organisation und wieder andere benutzen den Begriff als ein Synonym für Chaos und Randale.

Es gibt aber auch Menschen, welche sich positiv auf den Begriff des Anarchismus beziehen und sich selbst als Anarchisten und Anarchistinnen bezeichnen. In dem kurzen Vortrag werden die Grundgedanken der politischen Philosophie des Anarchismus vorgestellt und verschiedenen anarchistische Themenfeldern beleuchtet. Vorkenntnisse über die Philosophie des Anarchismus oder anarchistische Literatur sind dabei nicht notwendig.

 

Daniel Kulla

LUTHER AUF DAS MAUL schauen

Revolution & Reformation in Mitteleuropa

Wo stand Luther, als vor 500 Jahren in weiten Teilen Europas die Feudalordnung revolutionär erschüttert wurde? Wen feuerte er an, als fast im gesamten deutschsprachigen Raum ein „Bauernkrieg“ gegen Kaiser, Fürsten, Kirche und Fugger tobte? Hatte Luther nicht zunächst aber den einfachen Leuten den Haupttext ihrer ideologischen Beherrschung erstmals verständlich in die Hand gegeben? Wie kommt es, daß von den damaligen Geschehnissen vor allem Luthers Thesenanschlag zu Wittenberg im Gedächtnis blieb, von den damaligen Klassenspaltungen und erbitterten Kämpfen fast nur die Erinnerung an religiöse Schismen und ihre heutigen konfessionellen Entsprechungen?

Der Autor, Musiker und ehemalige Theologiestudent Daniel Kulla möchte einen Überblick über die damalige Zeit und Luthers Position darin geben. Es wird um die Krise des Feudalismus gehen, um Luthers Rolle als Anstifter und dann Konterrevolutionär, um seine damit einhergehenden Feinderklärungen gegen Bauern, Juden, Türken und das Bier, um die Nachwirkung auf Fürstenherrschaft, Untertanen-Protestantismus und antisemitische Tradition, schließlich um die ständige Gefahr des Aufgreifens eines zurechtgemachten Luther durch nationalistische Bewegungen.

 

Andrea Truman

Kritik des Staatsfeminismus

Gewöhnt daran, die Politik der letzten Jahrzehnte als neoliberal zu begreifen, stutzt man angesichts der Reformen im Bereich der Familienpolitik, die in den letzten zehn Jahren angeschoben wurden. Es ist unsinnig, dem Staat vorzuwerfen, er schiebe die gesellschaftliche Verantwortung für Mütter, Väter und Kinder ins Private ab. Im Gegenteil: In den Ausbau der Kinderbetreuung und ins Elterngeld wird viel Geld investiert – mit der Begründung, dass Frauen damit leichter Karriere machen könnten und die Emanzipation von Frauen in großen Schritten voranschreite. Wenn weibliche Autonomie von staatlicher Seite angestrebt wird, ist es allerdings ratsam, genauer zu schauen, was gemeint ist. Bei so viel Zuwendung von Seiten des Staates, dem man noch nie zutraute, individuelles Glück im Fokus seiner Bemühungen zu haben, scheint Misstrauen nicht verkehrt: Wie soll es denn aussehen, mein reformiertes Leben als Frau oder Mann? Und wird damit die Gleichberechtigung der Geschlechter erreicht?

Wir wollen die aktuellen gesellschaftlichen Tendenzen des Geschlechterverhältnisses diskutieren und herausarbeiten, welche Gründe es für den politischen Wandel geben könnte. Für den Workshop bedarf es keiner besonderen Vorkenntnisse.

 

 

Anarchist initiative Ljubljana

ROLE OF AUTONOMOUS SPACES IN SOCIAL STRUGGLES

As the rumble of war and rising right-wing movements and politicians threaten Europe, the strength of our connections, the power to build our long-term projects, and the fierce determination to hold our streets is becoming more important than ever.What is the role of autonomous spaces in our struggles? How do we make sure we do not become a self-referential and irrelevant space but remain a timeless source of inspiration for new connections, ideas, and the passion to live and fight? How do we ensure that our spaces serve as a model for social relations in the world we wish to inhabit, and how do we make sure we don’t stop there? How do we turn our autonomous spaces into strongholds for communities in struggle? Join a comrade from Slovenia, as they share their experience building long-term autonomous projects and infoshops, how they are used in different migrant, antifascist and anti-gentrification struggles, and the joys and dangers of that process.

Während Kriege rumoren, die rechte Bewegungen erstarkt, Politiker die Demokratie bedrohen ist unsere Stärke der Austausch und der Aufbau von langfristigen Projekten, auch der Kampf um die Straße und die Nachbarschaft ist wichtiger denn je.

Was für eine Rolle spielen dabei autonome Räume in unseren Kämpfen? Wie stellen wir sicher, dass unsere Räume nicht ein selbstbezüglicher und gesellschaftlich irrelevanter Ort sind sondern eine Zeitlose Quelle für Inspiration, neue Kontakte, Ideen sowie für unsere Leidenschaft zu leben und zu kämpfen bleiben?

Wie stellen wir sicher das unsere Plätze als Modell für soziale Beziehungen dienen können um eine Welt sichtbar zumachen in welcher wir leben wollen? Und wie stellen wir sicher, dass wir nicht gestoppt werden. Wie gestalten wir unsere Räume so damit sie Festungen für unsere kämpfenden Gruppen werden?

Genossinnen aus Slowenien (Ljujbliana) berichten von ihren Erfahrungen welche sie bisher gemacht haben bei dem Aufbau seit langer Zeit bestehender autonomer Projekte welche von Menschen auf der Flucht, Antifaschistinnen, Menschen im Kampf um Recht auf Stadt und vielen mehr genutzt werden.

Wir laden euch ein zum Austausch über die Gefahren und Freuden für den Kampf um Freiräume.

 

 

Larissa Schober

Alles „Zigeuner“ – zur Situation von Roma auf dem Balkan

Das Sujet „Zigeuner“ hat Konjunktur. Stimuliert durch die Überfremdungsängste von EU-BürgerInnen erblühen alte Vorurteile zu neuem Leben. Aktuell werden Feindbilder reaktiviert, mit denen die größte Minderheit Europas traditionell stigmatisiert ist. Zivilisationsfeindlich, kriminell, unstet und nicht integrierbar seien Sinti und Roma. Häufig wird so getan als seien sie an ihrem Elend in Ungarn, Serbien oder im Kosovo selbst schuld, ökonomische Bedingungen und antiziganistsiche Diskriminierung werden dabei ignoriert. Die Situation der Roma in Südosteuropa ist eien Art Touristenattraktion geworden, sie dient als Gegenstand von aufgesetzt einfühlsamen Reportagen und Fotostrecken, die mit dem Blick des Herrenmenschen angefertigt werden und häufig Vorurteile reproduzieren. Der Workshop wird sich einführend mit Antiziganismus, also der Feindschaft gegenüber Sinti und Roma, auseinander setzen und anschließend die akutelle Situation der Minderheit auf dem Balkan und ihren Zusammenhang mit Flucht- und Migrationsbewegungen nach Deutschland behandeln.

 

 

Larissa Schober

Der Zerfall Jugoslawiens

„Ich regiere ein Land mit zwei Alphabeten, drei Sprachen, vier Religionen und fünf Nationalitäten, die in sechs Republiken leben“ so Josef Broz Tito über den sogenannten ‚Vielvölkerstaat‘ Jugoslawien. Seit 1991 existiert dieses Land nicht mehr. Diverse Konflikte, die häufig unter dem Begriff ‚Jugoslawienkriege‘ summiert werden, gestalteten die Landkarte des westlichen Balkans neu. Dabei kam es zu ethnischen Säuberungen, Konzentrationslager wurden errichtet und Millionen Menschen waren auf der Flucht. Seinen blutigen Höhepunkt erreichte der Krieg 1995 mit dem Genozid von Srebrenica, dem etwa 8000 bosniakische Männer unter den Augen der UN zum Opfer fielen. Trotz ihrer Brutalität und den massiven politischen Folgen scheinen die Jugoslawienkriege heute in Westeuropa in Vergessenheit geraten zu sein. Dabei leiden die meisten Nachfolgestaaten Jugoslawiens noch immer sowohl unter den ökonomischen als ideologischen Folgen der Kriege. Viele Konflikte in der Region sind nur oberflächlich befriedet und könnten erneut ausbrechen. Egal ob im Kosovo, Bosnien und Herzegowina oder in Mazedonien – die aktuellen Konflikte können nicht ohne Bezug zu den Zerfallskriegen begriffen werden. Der Vortrag wird sich daher nach einem kurzen einführenden Überblick zur Geschichte Jugoslawiens ausführlich mit dem Zerfalls des Landes beschäftigen und anschließend die Auswirkungen, welche die Kriege bis heute haben, beleuchten.

 

 

Sozialistische Jugend – Die Falken Tübingen

Schule im Kapitalismus

Schule ist in bürgerlichen Gesellschaften als Schulpflicht unter staatlicher Hoheit organisieren – im Zweifelsfall bringt einen die Polizei zur Schule. Ein gutes Siebtel seines Lebens hat der junge Mensch hierzulande unter staatlicher Aufsicht seinen Kopf anzustrengen. Der Staat ist offenbar der Ansicht, dass diese Ausbildung fundamental wichtig ist für seine Gesellschaft.

Und dass die Schule für die Gesellschaft ausbildet, in der sie stattfindet, d.h. Kinder tauglich macht für ein Leben in Marktwirtschaft und demokratischem Rechtsstaat – das erwarten die Eltern (Stichwort „Nicht für die Schule sondern fürs Leben lernen wir“), das erwartet die Wirtschaft, das verspricht der Staat als Schulveranstalter.

Gleichzeitig ist bekannt, dass der Erfolg der Schule bei der Behebung von Unwissen sehr überschaubar ist: jeder kann davon erzählen, welche Fächer er zwar jahrelang besucht hat, auch irgendwie durchgekommen ist, letztlich aber fast nichts gelernt hat. Noch schlimmer: in Deutschland leben ca. 7,5 Millionen funktionale Analphabeten. Wie passt so etwas zu jahrelangem Schulbesuch und gigantischen Summen im Bildungsetat?

Wir wollen uns im Workshop damit beschäftigen, wie diese Ausbildung, wie das Lernen hier stattfindet und wie es den gesellschaftlichen Verhältnissen entspricht – anhand von diesem „Wie“ wollen wir uns erklären, warum so viele in der Schule so wenig lernen und für was die Schule eigentlich da ist, was ihre Funktion in dieser Gesellschaft ist. Denn wir glauben, dass diese Erklärung ziemlich gegen die Schule und damit gegen diese Gesellschaft spricht.

 

Sozialistische Jugend – Die Falken Tübingen

„Kritischer Konsum – ein Weg zu einer besseren Welt?

– Eine Kritik der Konsumkritik –

Überfischte Meere, aufgeheizte Atmosphäre, Unappetitliches aus der Lebensmittelproduktion … von solchen Dingen kann man täglich in der Zeitung lesen. Und die so produzierten Güter landen dann auf dem eigenen Teller, im eigenen Haushalt.

Die betroffenen Verbraucher*innen haben die hässlichen und zerstörerischen Umstände der Produktion nicht organisiert und nicht bestellt. Es gibt sie trotzdem. An diesem Punkt setzt die Konsumkritik an und fordert, durch bewusste Kaufentscheidungen solche Praktiken nicht zu unterstützen. Doch wie sieht die Wahl aus, die Konsument*innen tatsächlich haben?

Sie entscheiden, wer – nachdem Miete und Versicherungen bezahlt sind – ihr restliches Geld bekommt, bei welchen Unternehmen sie also zum Profit beitragen.

Im Vortrag wollen wir zeigen, dass die vielen Missstände und Ekelhaftigkeiten notwendig aus der Produktionsweise resultieren. Sie sind kein Fehler, den man mit bewussten Kaufentscheidungen korrigieren kann. Dabei wollen wir mit ein paar Mythen über unsere Gesellschaft aufräumen: Dreht sich hierzulande wirklich alles um Konsum? Findet die Produktion für die Bedürfnisse der Menschen statt? Wie unterscheidet sich der kleine Bio-Betrieb von Nebenan von einem Großkonzern?

Darüber wollen wir mit euch diskutieren!“

 

 

Riff – Risse im falschen Film

Aufnahme und Abwehr von Geflüchteten: Zwei Seiten der selben Medaille?!

2015 hat Merkel unter dem Titel “Wir schaffen das!” eine neue Flüchtlingspolitik verkündet. Dazu gehörte sowohl die Aufnahme von zahlreichen Geflüchteten und die Ausrufung einer ‚neuen deutschen Willkommenskultur‘ als auch die Durchsetzung einer rigideren Abschiebepraxis und eine erhöhte Sicherung der EU-Außengrenzen. Diese beiden Seiten werden in der bürgerlichen bis linken Öffentlichkeit häufig als absoluter Gegensatz besprochen: Die humane Aufnahme- versus die unmenschliche Abschiebepraxis. In unserem Workshop wollen wir zeigen, inwiefern es sich dabei um zwei Seiten derselben Medaille handelt und auch erstere Ausdruck eines gar nicht menschenfreundlichen Standpunktes ist. Dafür werden wir uns genauer mit dem Inhalt von „Wir schaffen das“ auseinandersetzen und vor allem auch näher darauf eingehen, was es mit dem staatlichen Recht auf Asyl auf sich hat.

 

 

Riff – Risse im falschen Film

Geschlecht und Kapitalismus
Diese Gesellschaft kennt lediglich zwei Geschlechter und nahezu alle Dinge sind irgendwie geschlechtlich sortiert: Angefangen vom Babyspielzeug über die Berufswahl bis zur Frage, wer wo welche Haare tragen und wer beim Küssen den ersten Schritt machen darf. Die Zuordnung zu entweder Mann oder Frau wird gesellschaftlich eingefordert und Abweichungen in unterschiedlicher Gewaltförmigkeit bestraft. Warum darf mensch offiziell und in den meisten Köpfen nur „Mann“ oder „Frau“ sein und welche Ansprüche werden an die beiden erlaubten Geschlechter herangetragen? Wie sich die Konsequenzen dieses eigentlichen „Gender-Wahnsinns“ erklären lassen und wie sie zum Kapitalismus im Verhältnis stehen wollen wir in diesem Workshop mit euch diskutieren.

 

 

Mit einem Referenten der Gruppen gegen Kapital und Nation

America First! Trumps Agenda in der Innen- und Außenpolitik (zweiteiliger Workshop)

Die Wahl Donald Trumps zum 45. Präsident der USA löste eine weltweite Schockwelle aus. Sowohl in den USA selbst als auch weltweit war und ist man nicht besonders glücklich über diesen unerwarteten Wahlausgang. Seitdem beherrscht Trumps Präsidentschaft die weltweite Berichterstattung wie kaum ein anderer Präsident vor ihm. Gleichzeitig ist oft davon die Rede, dass Trump noch gar keinen Plan für die meisten anstehenden politischen Entscheidungen habe, sei es für die versprochene US-Steuer- oder Krankenversicherungsreform oder den Umgang mit China. Statt ihn in seiner Strategie „America First!“ ernst zu nehmen, wird oft über seinen Geisteszustand und seine diplomatischen Ausfälle gerätselt.

In dem zweiteiligen Workshop wollen wir uns deshalb Trumps Agenda mal etwas genauer anschauen: Was sind seine politischen Ziele? In welchen Bereichen möchte er diese wie umsetzen? Was verspricht er dafür seinen Unterstützern? Wo knüpft er an die bisherige US-Politik an und wo liegen tatsächliche Brüche damit vor?

In je einem Slot wollen wir Trumps Innen- und Außenpolitik diskutieren und dabei einzelne Punkte seiner Agenda herausgreifen, u.a. Handels- und globale Ordnungspolitik, Entwicklungshilfe, Einwanderungs-, Sozial- und Minderheitenpolitik sowie Trumps Kampf gegen das „big government“ (die angeprangerte Einmischung des Staates in wirtschaftliche und gesellschaftliche Lebensbereiche) und die Washingtoner Elite.

Zum Schluss soll der Frage nachgegangen werden, was Trumps Kurswechsel für die deutsche Politik und die EU bedeutet. Ist es klug jetzt Merkel die Daumen zu drücken, weil sie sich um die Probleme aller Menschen kümmere? Oder kann man an den neuen Ansprüchen, die Trump jetzt in die Welt setzt, vielleicht auch ganz gut erkennen, welchen harten Charakter das deutsche Großmacht-Projekt hat? Nicht zuletzt die Frage: Passt der Anspruch Deutschlands, sich um die „dringenden Menschheitsprobleme“ kümmern zu wollen, nicht ganz gut mit einem Weltmachtsanspruch zusammen?

 

 

Mit einem Referenten der Gruppen gegen Kapital und Nation

Afrikas Integration in den Weltmarkt: Von Kolonien zu Rohstoffländern zu Schuldenstaaten

Die meisten Staaten in Afrika (unterhalb von Nord-Afrika, Subsahara) haben eine ähnliche polit-ökonomische Karriere hinter sich. Der koloniale Befreiungskampf endet mit Politikern an der Spitze, die ihre Herrschaft über Land und Leute nutzen wollen, um moderne Nationalstaaten nach westlichem Vorbild zu entwickeln. Dazu greifen sie zunächst auf die einzige vorhandene Einkommensquelle zurück, den Rohstoffexport. Die Versuche, mit den Erlösen eine eigene warenproduzierende Gesellschaft anzustoßen, scheitern flächendeckend. Geblieben ist die Rolle als Rohstofflieferanten und die zunehmende Verschuldung wegen dieser einseitigen Abhängigkeit.

Die Bevölkerung wird auf die Geldwirtschaft festgelegt, ohne dass es einen flächendeckenden Bedarf am Kauf ihrer Arbeitskraft gibt. Zugang zu Reichtum hängt an den Rohstoffen und die Verfügung darüber wiederum an der Staatsmacht. Deshalb ist der Kampf um die Staatsmacht dort ein Kampf um die einzige sichere Einkommensquelle. Insbesondere wenn neue Rohstofflager entdeckt werden, brechen blutige Konflikte aus. Die Karriere dieser Staaten soll bei der Veranstaltung in ihren Prinzipien dargestellt und diskutiert werden.

In der aktuellen Flüchtlingsdebatte ist immer wieder die Rede davon, dass man Fluchtursachen bekämpfen müsse. Von der Regierung heißt es dann: Bürgerkriege und absolutes Elend würden vermieden, wenn die Wirtschaft in Afrika sich entwickelt. Damit die Wirtschaft sich entwickeln kann, muss aber erstmal ein funktionierendes Staatswesen her und so werden Polizei und Militär vor Ort ausgebildet.

Die Gegenthese ist: Hauptgrund für das wirtschaftliche Elend ist die Einbindung der afrikanischen Staaten in den Weltmarkt, dessen Betreiber die afrikanischen Staaten auf die Rolle als „Rohstoffland“ und „Schuldenstaat“ festlegen und mit Maßnahmen wie Entwicklungshilfe und Ausbau der staatlichen Gewaltapparate betreuen. Der freie Westen zementiert (mittlerweile zusammen mit China, das sich in die freie Weltmarktordnung einfindet) die Abhängigkeit afrikanischer Länder vom westlichen Geschäft und sorgt für die andauernde elende Lage der Bevölkerung.

 

 

AK Gegenargumente München

Auch im Superwahljahr 2017 gilt:
Wählen ist verkehrt!

Gemeinhin steht das höchste demokratische Recht beim Volkssouverän nicht im allerbesten Ruf. Es ist sehr die Frage, ob freie Bürger die Wahl überhaupt vermissen würden, wenn sie mal nicht angesetzt würde. Weisheiten der Art, dass das Wählen ja eh nichts ändert und dass ‚die da Oben‘ sowieso machen, was sie wollen, sind Gemeingut weit über staatskritische Zirkel hinaus.

Je näher der Wahltermin rückt, desto leiser werden freilich diese abschätzigen Stellungnahmen, desto mehr setzt sich der Standpunkt durch, dass man auf den – wenn auch unendlich kleinen – Einfluss, den man mit einer Wahlstimme auf die Staatsmacht ausübt, nicht verzichten darf: Dann kommt es – die Parteien sagen es den Wählern ja vor – mal wieder „auf jede Stimme an“.

Der knappe Ausgang des Brexit-Referendums und der Wahl von Donald Trump sowie der im europäischen Superwahljahr drohende Aufstieg von nationalistischen, EU-feindlichen Parteien in allen Mitgliedsländern liefern dafür so etwas wie ein überzeugendes Argument. Tatsächlich, hätten mehr junge Briten, die eher pro-Europa sind, und mehr linke Amerikaner von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht, wäre nicht Trump heute US-Präsident sondern Hillary Clinton, und der Brexit stände heute nicht auf der Tagesordnung der EU. Wie im Rest der EU sehen es auch viele Deutsche in der Septemberwahl als ihr Interesse und ihre Aufgabe an, den Populisten und Nationalisten, den Ausländer- und EU-Feinden den Weg zur Macht zu versperren.

Mag es Zweifel geben, ob eine Wahlbeteiligung positiv eine Änderung der Politik im Sinn des Wählers bewirkt, negativ als Instrument zur Verhinderung der Machtergreifung der Falschen ist sie über jeden Zweifel erhaben. Da will dann schon keiner mehr wissen, wofür er eigentlich Partei ergreift, wenn er mit der Absicht, die AfD zu stoppen, sein Wahlkreuzchen setzt. Das ist verkehrt, denn anders als dass man der Machtergreifung einer anderen Partei oder Führungspersönlichkeit und deren politischer Herrschaft über sich zustimmt, kann man sich in der demokratischen Wahl gar nicht vor der Herrschaft der rechten Nationalisten schützen. So ist nun mal die Freiheit der Wahl konstruiert.

 

 

La Banda Vaga

9 Thesen zum Islamismus

Wie schon beim letzten AMS wollen wir dieses Jahr wieder unsere mittlerweile überarbeiteten Thesen zum Islamismus mit euch diskutieren. Dabei geht es uns vor allem um eine historische und materialistische Bestimmung dieses Phänomens. Jedoch sollen auch die katastrophalen politischen Einschätzungen des Islamismus in großen Teilen der Linken thematisiert werden. Für die einen sind zumindest bestimmte islamistische Gruppierungen Ausdruck eines berechtigten antiimperialistischen Widerstandes, andere wiederum wollen dem Islamismus im Schulterschluss mit Staat und Militär mit westlichen Werten entgegentreten. Beides ist unserer Ansicht nach völlig verfehlt.

 

 

Sebastian Kasper

Nicht jammern und picheln, hammern und sicheln!“ Die Spontis im roten Jahrzehnt

Die Sponti-Bewegung ist mittlerweile weitestgehend in Vergessenheit geraten. Auch vielen (jüngeren) Linken ist diese Strömung der 1970er-Jahre allerhöchstens noch als Erfinderin lustiger Sprüche ein Begriff. Das ist eigentlich schade, waren es doch die Spontis, die den antiautoritären Inhalt der Jugendrevolte Ende der 1960er-Jahre retteten und die sozialen Bewegungen der 1970er-Jahre entscheidend prägten. Dabei entwickelten sie Inhalte und Protestformen, die bis heute die linksradikale Szene beeinflussen. Noch 1989 schrieb die Gruppe „Autonome Studis (Bolschewiki)“ aus Freiburg über die Bewegung der Autonomen „den ideologischen Überbau lieferten aber nicht die italienischen Autonomen, sondern die deutschen Spontis“.

Gründe genug also sich die Spontis noch einmal genauer anzusehen und danach zu fragen, ob wir nicht auch heute noch aus den damaligen Diskussionen Erkenntnisse ziehen können. Dabei soll im Vortrag auch auf die 1970er-Jahre als das „rote Jahrzehnt“ der bundesrepublikanischen Geschichte eingegangen werden.

 

Initiative Suchtumgang

  „Die Straße bleibt auf Crystal“

So lautet ein Schriftzug einer der bekanntesten Sprayercrews auf Leipzigs mutmaßlicher Hauptumschlagsstraße für Drogen. Die Antwort staatlicher Akteur*innen darauf – massive Repression. Das Resultat: Ein zunehmend offener Konsum und eine stärker werdende Stigmatisierung der Konsument*innen. Darauf folgen Belagerunsszenarien mit hunderten Cops, die hochgerüstet und oftmals nicht minder aufgeputscht als einige der als Konsument*innen daherkommen.
Doch was sind eigentlich Kriterien für eine Sucht? Weshalb bleibt eine alternative Drogenpolitik im Kapitalismus zu kritisieren? Und was für eine Zwischenperspektive bietet ein Drogenkonsumraum?

Über diese Fragen wollen wir uns austauschen und einen Einblick dazu geben wie die Wahrnehmung von uns befragter (bürgerlichere) Anwohner*innen dazu ist.

 

 

Jens Störfried

Postanarchismus. Zur Erneuerung anarchistischer politischer Theorien

Anarchistische Theorien – ist das nicht ein Widerspruch in sich? Nein, lautet die klare Antwort in diesem Vortrag. Vielmehr ist es für die anarchistische Bewegung äußerst wertvoll, kollektiv eigene Theorien zu bilden und neue Formen des Reflektierens und der Weltanschauung zu entwickeln. (Die BRD ist dahingehend, beispielsweise verglichen zum englischsprachigen Raum, gewissermaßen ein Entwicklungsland.)

Einen Ansatz dazu stellt der sogenannte Postanarchismus dar. Bei ihm handelt es sich dankenswerterweise nicht um eine weitere Unterströmung im wunderbar pluralen anarchistischen Spektrum. Stattdessen geht es um eine Weise, eine Möglichkeit und den Versuch, anarchistische Grundannahmen und Standpunkte selbstkritisch zu betrachten und zu diskutieren.

Dafür wird sich auf poststrukturalistische Theorien bezogen. Das „Post“ bedeutet also keine Verabschiedung von Anarchie als Ziel und der anarchistischen Bewegung als realem Bezugspunkt, sondern versucht das Denken der Moderne kritisch in Frage zu stellen – ohne jedoch anti-modern zu sein. Entscheidend für postanarchistische politische Theorien ist das Denken in Paradoxien und Spannungsfeldern, um in widersprüchlichen gesellschaftlichen Verhältnissen Bewegungsmöglichkeiten auszuloten.

Der Vortrag führt in einige Grundgedanken ein, um ihre Anwendungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Dabei wird die postanarchistische Perspektive insbesondere anhand der Begriffe Subjekt, Hegemonie, (Anti-)Politik und Emanzipation dargestellt. Im besten Fall kommen wir auch dazu, diese konkret auf die Ereignisse um uns herum zu diskutieren.

 

Tanja Röckemann

Raus aus der Klasse, zurück in die Klasse

„Die Partei Die Grünen ist seit langem kein Bezugspunkt mehr für radikale Linke. Das war nicht immer so: Anfang der 1980er Jahre erschien es vielen Aktivist_innen sinnvoll, anstelle des außerparlamentarischen Kampfes in den Staat hineinzugehen, um dort »von innen« politisch einzuwirken und so die Gesellschaft zu verändern. Als wichtigstes Anliegen wählte sich die Partei das Thema Ökologie – erstmal sinnvoll, scheint es, denn schließlich ist damit unsere Lebensgrundlage gemeint. Aber was für Vorstellungen wurden sich damals in Verbindung mit Ökologie gemacht? Und warum ist aus den Grünen das geworden, was sie jetzt sind? Solchen Fragen möchte ich mit Euch nachgehen, unter anderem mithilfe einiger Textausschnitte aus dem Werk der kommunistischen Schriftstellerin Gisela Elsner (1937-1992), die bereits in den achtziger Jahren eine scharfe, satirische Kritik an der Ökologiebewegung formuliert hat.“

 

Lotta C.

Kritische Weis(s)heiten
die Risiken und Nebenwirkungen einer antirassistischen Identitätspolitik

Ein Gespenst geht um in der Linken:
Als Critical Whiteness (dt: kritisches Weißsein) kennen inzwischen nicht nur Linke und Linksradikale einen Theoriekomplex samt dazugehöriger politischer Praxis, mit dem nicht wenige antirassistische Aktivist_innen den Rassismus in der Welt aufdecken und bekämpfen wollen.

Spätestens seit dem NoBorder-Camp 2012 in Köln, bei dem es zum Eklat zwischen Anhänger_innen des Konzepts und anderen Antirassist_innen kam, polarisiert Critical Whiteness innerhalb antirassistischer und queerfeministischer Szenezusammenhänge und es kommt im besten Fall zum politischen Streit, in weitaus schlechteren aber leider auch häufigeren Fall hingegen zu Hausverboten, Szeneausschlüssen, Gruppenspaltungen und -auflösungen, Veranstaltungsstörungen und dergleichen.

Wir wollen uns mit einigen zentralen Motiven der Critical Whiteness Studies näher befassen und diskutieren, ob die CW-Studies ihrem Zweck – Rassismus zu kritisieren – eigentlich gerecht werden.

Ausgangspunkt der Diskussion soll dabei weniger die gängige Praxis von Critical Whiteness-Vertreter_innen sein, als vielmehr die Theorie, aus der diese Praxis abgeleitet wird.

Außerdem soll zumindest andiskutiert werden, warum kritisches Weißsein bzw einzelne Elemente davon sich gut in einen bürgerlichen (bzw. staatlichen) Antirassismus integrieren lassen und wenn ausreichend Zeit und Interesse besteht auch, wie die kritische Weißseinsforschung besser nicht zu kritisieren ist.

 

Andrea Truman

Orgasmusschwierigkeiten & Revolution – Kritik der Studentenbewegung ’68

Die Bewegungen von `68 haben die politische Praxis auf eine neue Ebene gehoben. Erstmal wurde die Kritik der Familie, des autoritären Charakters, und der Sexualität zum wesentlichen Kern der Kritik gemacht, und das Experimentieren mit neuen Formen des Zusammenlebens ist seit dem nicht mehr wegzudenken aus linken Szenezusammenhängen. Durch den Schwerpunkt der Bewegung aufs Private wurde auch die für jede Revolution notwendige Emanzipation der Frau mit angeschoben. Doch nicht nur das: In den kurzen Momenten als die politische Emanzipation mit der Privaten zusammen, erreichte die Bewegung die höchste Faszination und die größte Durchschlagkraft.
Jedoch wurde im Laufe der Bewegung, die Politisierung des Privaten immer wieder brüsk als Kleinbürgerlich und solipsitisch zurückgewiesen. Die Forderungen der Frauen ignoriert und damit das Ende der Revolte eingeläutet.
Diese Entwicklung soll von den Anfängen der Subversiven Aktion bis zum Beginn der zweiten deutschen Frauenbewegung nachgezeichnet werden. Dabei soll sowohl über Fragen der Revolutionstheorie diskutiert werden, als auch, welche Fallstricke die Reduzierung der Bewegung aufs Private, wie auch die Ausklammerung desselben haben.

Es werden keine Vorkenntnisse erwartet.