Programm 2018

Waldbühne

Hier wütet die Kultur – AG!

Ergebnis:

die professionellste Bühne auf dem AMS und Kultur, egal ob Konzerte, Theater oder Performances, ohne Ende

 

Kulturprogramm

PunXPalast

Punk – Oi! – Punk – Revolution

Wer beim Pogo unter die Räder gerät ist nicht selbst schuld daran, sondern es sind die Verhältnisse! Bei uns im Punxpalast ist nicht der Ellbogen der wichtigste Körperteil, sondern das wütend pochende Punker_innenherz.
Unser Beitrag zu Emanzipation und Austausch: Laute Musik, warmes Bier und die Chance auf ein wenig Bildung tagsüber.

 

PXP - Programm

 

WorkshopProgramm

In den nächsten Tagen und Wochen veröffenlichen wir hier laufend die Titel und Teaser unseres Workshopprogramms für 2018. Eines ist sicher: Das Programm wird eine vielfältige und interessante Mischung aus Workshops und Vorträgen die sowohl für Einsteiger*innen geeignet sind als auch tiefergehend auf die Themen eingehen und aktuelle politische Geschehnisse wie auch linke Dauerbrenner behandeln.

 

Wieso, weshalb, warum?

Teaser

Workshops und Vorträge – Teaser

An dieser Stelle veröffentlichen wir laufend die Ankündigungen und teilweise Materialien für das Workshopprogramm 2018. Wie immer haben wir versucht Aktualität und ein großes Spektrum an Interessen zu bedienen.

Workshops der Gruppen gegen Kapital und Nation:

Die Wahl Donald Trumps zum 45. Präsident der USA löste eine weltweite Schockwelle aus. Sowohl in den USA selbst als auch weltweit war und ist man nicht besonders glücklich über diesen unerwarteten Wahlausgang. Seitdem beherrscht Trumps Präsidentschaft die weltweite Berichterstattung wie kaum ein anderer Präsident vor ihm. Gleichzeitig ist oft davon die Rede, dass Trump noch gar keinen Plan für die meisten anstehenden politischen Entscheidungen habe, sei es für die versprochene US-Steuer- oder Krankenversicherungsreform oder den Umgang mit China. Statt ihn in seiner Strategie „America First!“ ernst zu nehmen, wird oft über seinen Geisteszustand und seine diplomatischen Ausfälle gerätselt.

In dem Workshop wollen wir uns deshalb Trumps Agenda mal etwas genauer anschauen: Was sind seine politischen Ziele? In welchen Bereichen möchte er diese wie umsetzen? Was verspricht er dafür seinen Unterstützer*innen? Und unterscheidet er sich darin wirklich derart von der bisherigen US-Politik? Wir wollen mit euch Trumps Außenpolitik diskutieren und dabei vor allem einen großen Punkt seiner Agenda herausgreifen: die internationale Handelspolitik.

 

Im Zuge der letzten Wahlen wurde wieder einmal deutlich: die meisten Politiker*innen sind sich einig, dass der Großteil asylpolitischer Maßnahmen darauf ausgerichtet sein sollte, dafür zu sorgen, dass möglichst wenige Asylsuchende es bis nach Europa schaffen (wollen) und dass außerdem diejenigen, die es trotzdem geschafft haben die Grenzen zu überwinden, dann bitte möglichst schnell wieder verschwinden. Die berechtigte Frage: warum gibt es dann überhaupt so etwas wie „Asyl“? Das primäre Ziel von Asyl – so unsere These – ist gar nicht die Unterstützung hilfsbedürftiger Menschen: Wer legitimer Flüchtling ist und wer nicht, bemisst sich nicht an der jeweiligen individuellen Notlage, sondern am nationalen Interesse der europäischen Staaten. In diesem kommen Flüchtlinge und ihre Forderungen nur unter bestimmten Umständen vor und dementsprechend werden sie behandelt.

In dem Workshop wollen wir deshalb diskutieren, wie Asylpolitik eben nicht durch die Notlage von Menschen, sondern durch nationale Interessen bestimmt ist. Wir wollen klären, wie diese aussehen und was ihre Grundlagen und die daraus entstehenden Konsequenzen sind.

 

 

Sozialarbeiter_in ist bei Linken ein beliebter Beruf. Doch in den letzten Jahren haben sich die Bedingungen einer emanzipatorischen und kritischen Sozialen Arbeit massiv verschlechtert: Neuere sozialpädagogische und erziehungswissenschaftliche Konzepte tendieren durchgehend zu autoritären Sichtweisen, ignorieren gesellschaftliche Macht- und Herrschaftsverhältnisse und zielen auf eine immer weitreichendere Selbstzurichtung und Disziplinierung. So wird soziale Arbeit zunehmend zu einer Profession, die soziale Kontrolle ausübt und Menschen für die ökonomische Verwertung verfügbar macht. Dagegen regt sich auch innerhalb der Sozialen Arbeit derzeit vielfältiger Widerstand.

Doch ist diese Entwicklung wirklich eine grundlegende Erneuerung der Sozialen Arbeit?

Grundthese unseres Beitrags ist, dass dem nicht so ist. Soziale Arbeit verzichtet seit jeher auf Studium und Kritik der ökonomischen Verhältnisse oder nimmt sie viel zu verkürzt vor. Aus diesem Grund ist sie nicht in der Lage, das Scheitern ihrer Klientel in dieser Gesellschaft als ein systematisches und notwendiges zu erklären. Konsequenz ist die übliche Individualisierung der Probleme. Anstatt eine Aufklärung über gesellschaftliche Widersprüche zu leisten, findet seit jeher die Aufforderung zum Weitermachen, zum Anpassen und zur Selbstoptimierung statt. Die betroffenen Menschen werden von der Sozialen Arbeit als hilfsbedürftig und mängelbehaftet definiert, ihnen wird – wenn vielleicht auch ungewollt – systematisch die Verantwortung für ihr Scheitern zugeschoben. Und so werden „Komfortzonen verlassen“, „Erfolgserlebnisse generiert“ und diese anschließend „in den Alltag transferiert“. Es werden „Stärken betont“ und „Ressourcen erforscht“. Es werden die eigenen „Grenzen überschritten“ und das „Selbstwertgefühl gestärkt“. Und ganz nebenbei das siebte Bewerbungstraining absolviert. Damit wird diesen Menschen von der Sozialen Arbeit einiges angetan. Sie werden in eine Lage gebracht in der sie sich vergebens abstrampeln, nur um dann wieder ihre angebliche Unzulänglichkeit erneut vor Augen geführt zu bekommen. Es wird nämlich das Bild erzeugt, dass die Welt voller Chancen wäre und man diese nur nutzen müsse. Alles was es bräuchte ist nur ein bisschen Selbstbewusstsein und die richtige Einstellung…

Aber auch sich selbst tun Sozialarbeiter_innen keinen Gefallen: Der eigene Burnout, das Aufopfern für das Klientel, Frustration aufgrund der Misserfolge und das übliche Magengeschwür sind Ausdruck davon.

 

Über das schlechte Abschneiden in der bürgerlichen Konkurrenzgesellschaft und einer ziemlich schädlichen Erklärung.

Ein Meer an Chancen und Möglichkeiten – so wird einem diese Gesellschaft gern präsentiert. Die gängige Metapher: „Jeder ist seines Glückes Schmied!“ Für den Großteil dieser vermeintlichen „Glücksschmiede“ ist die gesellschaftliche Realität dann aber doch recht ernüchternd: Sie bekommen keine Lehrstelle oder keinen Studienplatz. Sie bekommen trotz Büffelei im Studium nur miserable Jobs. Sie arbeiten unter scheiß Bedingungen für scheiß wenig Geld. Viele haben nicht mal das und müssen sich von der ARGE drangsalieren lassen.

Und so stellt sich für viele die Frage, woher das eigentlich kommt. Wenn die Welt doch voller Möglichkeiten ist, woran liegt es, dass ich nicht vom Fleck komme? Liegt es an mir? Bin ich unfähig? Zu blöd? Oder liegt es an anderen? Bin ich mal wieder beschissen worden? Haben die mich falsch beurteilt? Mal wieder nicht erkannt, was wirklich in mir steckt? Fragen von Scham, Selbstzweifel und Stolz liegen dann auf dem Tisch.

Davor wollen wir warnen. Sie sind nicht nur inhaltlich falsch, sondern bringen einiges an Grausamkeiten gegen sich und andere mit sich.

Vielmehr wollen wir betonen, dass die Armut, Angst und Unsicherheit eines beachtlichen Teils der Bevölkerung notwendigerweise zu dieser Ökonomie gehört. Ob man Arbeit und Geld hat, hängt in dieser Gesellschaft von den Kalkulationen derjenigen ab, die arbeiten lassen. Lässt sich mit der Arbeit kein Profit machen, findet sie nicht statt und die Leute landen auf der Straße. Übersetzt wird diese Abhängigkeit leider allzu oft in persönliches Versagen und Scheitern. Dagegen soll sich dieser Workshop richten: Gegen die falsche geistige Verarbeitung von schlechtem Abschneiden in der kapitalistischen Konkurrenzgesellschaft.

 

 

Hermann Lueer

Adorno hat einmal geschrieben: „Mir wird vorgeworfen, wenn du schon Kritik übst, dann bist du auch verpflichtet zu sagen, wie man’s besser machen soll. Und das allerdings halte ich für ein bürgerliches Vorurteil. Es hat sich unzählige Male in der Geschichte ereignet, dass gerade Werke, die rein theoretische Absichten verfolgen, das Bewusstsein und damit auch die gesellschaftliche Realität verändert haben.“

So kann man es sehen.

Man kann sich aber auch darauf einlassen, die Grundprinzipien einer „kommunistischen“ Gesellschaftsordnung darzulegen. Hierbei ist lediglich folgendes zu beachten:

Der Ausgangspunkt der Frage nach der Alternative zum Kapitalismus ist eine Kritik am Kapitalismus, das heißt eine richtige oder falsche Erklärung des Kapitalismus. Jede Alternative zur kapitalistischen Wirklichkeit ist daher nur so gut wie die ihr zugrundeliegende Erklärung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse, zu denen sie eine Alternative sein soll. Fehler in der Erklärung setzen sich in einem falschen Lösungsvorschlag fort. Wer sich Armut als Folge von Marktversagen erklärt, sucht nach Alternativen der Marktregulierung. Wer sich Armut als notwendige Folge des marktwirtschaftlichen Produktionsverhältnisses erklärt, will den Markt abschaffen. Die ernsthafte Beschäftigung mit der Frage nach der Alternative zum Kapitalismus unterstellt daher die Einigkeit in der Kritik am Kapitalismus.

Im Workshop geht es entsprechend nicht darum, sich unabhängig von den Gründen für die weltweite Verarmung und Verelendung weiter Teile der Bevölkerung eine bessere Welt auszumalen, sondern darum, aus der Erklärung des Kapitalismus die Grundprinzipien einer Ökonomie jenseits vom Kapitalismus abzuleiten.

Im schlimmsten Fall muss man in der Diskussion der Alternative also noch einmal einen Schritt zurücktreten und über die Grundlagen der Kapitalismuskritik streiten.

 

 

Albert Kroells

Abgesang auf einen universellen Hoffnungsträger linker Politik

Bürgerliche Staaten wie die BRD pflegen in ihrer Verfassung das elementare Bekenntnis zu verankern, dass ihre staatliche Existenz und deren Werke im Einklang mit und im höheren Dienst an den unveräußerlichen Menschenrechten stehen würden. Diese feierliche Selbstdeklaration der bürgerlichen Staatsgewalt als Hort und Hüter der Menschenrechte findet den ungeteilten Beifall ihrer Bürger. Die Menschenrechte stehen als Nonplus-Ultra der Rechtsordnung außerhalb jeglicher Diskussion. Ihr Nutzen gilt bei denjenigen, die sie genießen dürfen, ebenso unbestritten wie das Selbstlob der Instanz, welche die Geltung der Menschenrechte verbrieft als Schutzrechte des Bürgers gegenüber einer allmächtigen Staatsgewalt. Dass die der Wahrung der Menschenrechte verpflichtete staatliche Hoheit ihre Untertanen mit der Gewährleistung beglückt, leben zu dürfen, ihnen verspricht, sie nicht ohne begründeten Tatverdacht ihrer Freiheit zu berauben und sie bei der Äußerung einer regierungskritischen Meinung nicht unmittelbar Gefahr laufen in Fesseln gelegt oder gefoltert zu werden, stiftet bei den menschenberechtigten Staatsbürgern ein Gefühl tiefer Dankbarkeit dafür, von derartigen staatlichen „Übergriffen“ verschont zu bleiben.

Die allgemeine Wertschätzung der Menschenrechte wird weder davon berührt, dass diese von den Staaten des freiheitlichen Westens als diplomatische Waffe gegenüber unbotmäßigen Regimen oder „Schurkenstaaten“ in Anschlag gebracht werden noch dadurch, dass im Namen der Menschenrechte von den NATO-Staaten Kriege auf dem Balkan, im Irak oder in Afghanistan geführt werden. Vielmehr pflegen Menschenrechtsorganisationen unverdrossen primär auswärtige Staaten, die wie die Türkei die Pressefreiheit abschaffen und die Wiedereinführung der Todesstrafe auf die politische Agenda setzen, im Namen der Menschenrechte auf die ideelle Anklagebank der Weltöffentlichkeit zu setzen bzw. fordern von den hiesigen Staaten Sanktionen gegen den menschenrechtsverletzenden Umgang der Staatsführung Chinas mit ihren politischen Dissidenten ein.

Mutet es nicht reichlich seltsam an, dass die Anwälte der geschundenen Menschennatur zur Verhinderung solcher staatlicher Gewaltakte auswärtiger Potentaten ausgerechnet diejenige ihnen übergeordnete Herrschaftsinstanz zur Hilfe rufen, die durch den Menschenrechtskatalog davon abgehalten werden muss, die Grausamkeiten zu begehen, zu der sie nach Einschätzung der Menschenrechtsfreunde durchaus in der Lage ist? Und: was ist von einer Kritik zu halten, die immer nur entdeckt, dass Staaten beim Umgang mit ihrem Volk etwas nicht machen; nämlich die Menschenrechte nicht einhalten? Warum kümmert sich die Kritik nicht darum, was diese Staaten mit ihren Völkern – außer sie zu „unterdrücken“ – sonst noch anstellen und warum sie das tun?

 

Das populäre Angebot psychologischer Lebensberatung besteht darin, Leuten, die in Schwierigkeiten sind, zu helfen, indem sie beim Umgang mit sich selbst beraten werden. Ob jemand das Studium nicht schafft, keinen Job findet, von dem oder der Liebsten verlassen wurde oder sich vor Spinnen fürchtet: Ein Psychologe betrachtet all diese Vorkommnisse als Gegebenheiten, die seine Klientel bewältigen kann – ganz unabhängig davon, ob die Leute sich ihr Problem selber eingebrockt haben oder nicht.

Ob nun einer Opfer eines entgegengesetzten oder gar feindlichen Interesses geworden ist, ob er vielleicht Fehler bei der Verfolgung eines eigenen Interesses gemacht hat oder ob er an sozialen und moralischen Maßstäben scheitert – das will der Psychologe nicht beurteilen, geschweige denn kritisieren. Die von ihm betreuten Menschen sollen sich ausschließlich der Frage zuwenden, ob ihre Einstellung zu den Problemen stimmt. Und diese Einstellung „stimmt“ dann, wenn die Menschen durch einen Vorfall, der sie schädigt, ärgert oder unzufrieden macht, nicht aus der Bahn geworfen werden. Die Tipps, die man von Psychologen kriegt, sind entsprechend: hier mehr Selbstbewusstsein, da mehr Motivation und dort eine positive Sichtweise, dann kann der Mensch mit den Misslichkeiten, welche die Konkurrenzgesellschaft für ihn bereithält, fertig werden.

Die Kunst der Glücksfindung, welche Psychologen dem modernen Menschen vermitteln, besteht dementsprechend darin, die eigenen Erwartungen an die Welt und deren harte Realitäten anzupassen, deren Anforderungen als Bewährungsprobe für sein wertes Selbst zu betrachten und in der Erfüllung der gesellschaftlichen Pflichten seine Selbstverwirklichung zu suchen.

Albert Krölls stellt in seinem Workshop dar, inwiefern die Wissenschaft der Psychologie für dieses selbstbewusste Unterwerfungsprogramm die passende wissenschaftliche Theorie liefert: Danach ist der Schlüssel menschlichen Verhaltens in der Innenwelt des Individuums zu suchen. Absichten und Beschlüsse des Menschen sind nur vordergründig das, was sein Handeln bestimmt. Die wahren Ursachen liegen hinter der Ebene des „beobachtbaren Bewusstseins“. Ob man das „Triebe“, „Reiz-Reaktions-Mechanismen“, „Dispositionen“, angeborene und/oder erworbene „Verhaltensmuster“ oder „Fähigkeiten“ etc. etc. nennt, darüber mögen die Schulen der Psychologie streiten. Gemeinsam ist all dem, dass das, was der Mensch will, bestimmt wird als abhängige Variable von etwas, das (heimlich) den Inhalt der Willensbildung steuert.

Dabei belässt es die Psychologie aber nicht. Sie erteilt dem Menschen vielmehr zugleich den Auftrag, seinen Willen dafür einzusetzen, an dem, was ihn doch angeblich determiniert, zu „arbeiten“ und das menschliche Innenleben so zu steuern und zu korrigieren, dass es zu den Anforderungen passt, welche die äußere Welt stellt. Der Mensch wird bestimmt als ein eigentümliches Doppelwesen, das im Kampf mit sich selbst ein seelisches Gleichgewicht herstellen soll, das ihn in Einklang bringt mit den Umständen, die sein Leben bestimmen.
Der Workshop untersucht die systematischen Fehler der Theoriebildung, den legitimatorischen Gehalt psychologischer Theorien und ihre Nützlichkeit für eine Gesellschaft, die es den allermeisten ihrer Mitglieder versagt, an die Mittel zu gelangen, mit denen sie sich ein schönes Leben machen könnten.

Für den Workshop wird empfohlen im Vorhinein folgende Leseprobe aus dem Buch „Kritik der Psychologie – Das moderne Opium des Volkes“ von Albert Kroells zu lesen:
https://www.vsa-verlag.de/uploads/media/www.vsa-verlag.de-Kroells-Kritik-der-Psychologie-NA-2016.pdf

 

 

Freerk Huisken

Das Grundgesetz erlaubt neben der Meinungs- auch die Versammlungsfreiheit, kurz: billigt den Bürgern ein Demonstrationsrecht zu. Beide Freiheiten zählen zu den Höchstwerten der Demokratie, an denen die Insassen der Demokratie ihre Freude haben sollen. Sehr sorgfältig wird folglich staatlicherseits auf die Demonstrationsfreiheit aufgepasst, weswegen man nach öffentlichen Protestaktionen aus den Medien auch regelmäßig mehr über Polizeieingriffe, Widerstand, Verhaftungen und Verwüstungen als über die kritischen Anliegen von Demonstranten erfährt. Dass die z.B. irgendetwas gegen AKWs haben, TTIP nicht leiden können, eine andere Klimapolitik wollen oder dem G20-Gipfel wenig gewogen sind, wird nicht und lässt sich kaum verschweigen. Worin jedoch ihre Kritik an AKWs, Handelsabkommen, Klimapolitik oder dem globalen Wirken der Weltmächte besteht – Fehlanzeige. Allerdings ist ebenso festzuhalten: Gelegentlich sehen sich Demonstranten auf besondere Weise „belohnt“, etwa wenn aus einer Anti-AKW-Bewegung ein Umweltministerium wird! Ob dort die Anliegen der Demonstranten zur Geltung kommen – Fragezeichen.

Selbstverständlich ist an diesem Grundrecht nebst der bornierten Sorte öffentlicher Aufmerksamkeit also nichts:

  • Warum bedarf es überhaupt einer staatlichen Erlaubnis für nichts anderes, als sich „unter freiem Himmel friedlich zu versammeln“ – wie es im Grundgesetz heißt?
  • Warum wird den Kritikern per Grundgesetz erlaubt, ihre abweichende Meinung demonstrativ öffentlich vorzutragen, wenn es dann auf den Inhalt des Protests für sich gar nicht ankommt?
  • Warum gilt das Grundrecht auf Demonstrationsfreiheit als eines der Höchstwerte der Demokratie, wenn in der Öffentlichkeit primär von Interesse ist, wie friedlich sich die Demonstranten beim Protestieren aufführen?

Grund genug, sich einmal mit der Frage zu befassen, welche politischen Zwecke mit diesem Grundrecht verfolgt werden.

 

Nationalismus, das ist die Parteilichkeit für die Nation – und zwar mit allem Drum und Dran. Um das Resultat einer Bilanz darüber, wie man es mit der Nation getroffen hat, kann es sich dabei nicht handeln. Sonst wäre der Nationalismus ziemlich ausgestorben und Politiker würden – mindestens – ausgelacht, wenn sie sich öffentlich zu ihrer Deutschlandliebe bekennen. Es meldet sich nie satte Zufriedenheit, wenn robuste Parteilichkeit mit der Nation von unten vorgetragen wird. Etwa bei internationalen Sportgroßereignissen, wo man Zeuge wird, wie sich Massen von Deutschen im schwarz-rot-goldenen Taumel vereinigen. Da werden deutsche Siege gefeiert, die den Werkeltag der deutschen Bürger nicht die Bohne tangieren. Es liegen sich dabei Deutsche selig in den Armen, die sich – freundlich formuliert – in ih­rem Alltag keineswegs immer vertragen. Wenngleich nationalistische Töne auch wochentags immer und überall zu hören sind. Etwa wenn sich Leute fragen: „Müssen WIR uns von dem Ami immer al­les gefallen lassen!“; oder: „Warum ist UNSER Gesundheitssystem so teuer?“; und: „Was haben die Ausländer bei UNS verloren?“ Da stellen sich brave Bürger, die sich gerade noch über Mieten, Preise und die jüngste Entlassungswelle aufgeregt haben, Fragen, als ob sie alle zum Beraterstab der herrschenden Politikerrie­ge gehören würden. Zu denen, deren Amt es ist, sich an allen Fronten für deutsche Siege einzusetzen, zu den regierenden Berufsnationalisten gehören sie ja wirklich nicht. Im Gegenteil! Dennoch stellen sich erwachsene Menschen auf den Standpunkt des nationalen Erfolgs und messen alle inter­nationalen Angelegenheiten daran, wie Deutschland dabei abschneidet – wo ihnen doch klar ist, dass solche nationale Erfolge mit schöner Regelmäßigkeit auf ihre Kosten erzielt werden.

Aber vielleicht ist gerade damit das Rätsel des Nationalismus von unten schon weitgehend geklärt: Vielleicht sind Menschen, „die nichts geschenkt kriegen“, deswegen von dem Anspruch beseelt, dass dann aber der Staat und seine politischen Macher unbedingt ihre deutsche Sache gut machen müssen: erfolgreich in der Welt regieren und dort unbedingt einen gute Eindruck machen, sich vom Ausland und den Ausländern nichts gefallen lassen, das Wachstum voranbringen, Weltmeistertitel erringen usw. Das ist ganz absurde Logik von Deutschen, die meinen, sich mit ihren für sie wenig lohnenden Diensten für die Nation das Recht erworben zu haben, von der Führung nationale Erfolge einzufordern. Das macht sie natürlich nicht reich, dafür aber häufig nur unzufrieden und auf jeden Fall unausstehlich. Ob sie als dabei Manövriermasse von den Regierenden geschätzt oder zur Räson gerufen werden, das kommt ganz drauf an:

Zur Zeit wenigstens passt der Regierung der völkische Nationalismus großer Teile der Deutschen gar nicht gut in den Kram. Sie möchte ihn nicht abschaffen, sondern ihn zum toleranten, weltläufigen, global ausgerichteten Nationalismus entwickeln – der im Volk bei den Deutschen, die sich gegen braun für bunt erklären, schon angekommen ist.

 

 

Paul Kraut

Ist man in der linken Subkultur oder in der linken Studentenszene unterwegs stolpert man ab und an über sie: Die kritische Theorie. Mit ihr verbinden sich Namen wie Theodor W. Adorno, Max Horkheimer oder Herbert Marcuse und Buchtitel wie „Dialektik der Aufklärung“, „Der eindimensionale Mensch“ oder „Studien zum autoritären Charakter“. Man weiß über sie, dass sie kompliziert sei, irgendwie praxisfeindlich, aber doch mit der Studierendenbewegung 1968 folgend zusammenhängend.

Der Workshop will etwas Licht ins Dunkle bringen: Es sollen einige Grundgedanken der obigen Denker vorgestellt und erklärt werden was die „kritische“ von einer konventionellen Theorie unterscheidet. Auch wollen wir uns den Entstehungszusammenhang der Gedanken – welche erst später zur Frankfurter Schule synthetisiert wurden – anschauen. Nebenbei werden wir einen wilden Streifzug durch die Werke Marx, Freuds und der Philosophen der bürgerlichen Aufklärung absolvieren.

Am Ende werden viele Fragezeichen zurückbleiben, aber möglicherweise auch die Motivation sich weiter mit der kritischen Theorie der Gesellschaft zu beschäftigen oder gar einmal selbst seine Nase in die alten Schmöker zu stecken.

 

 

Peter Decker

Unsere Gesellschaft ist sehr stolz auf die schöne Tugend, auszuhalten und gelten zu lassen, was man nicht leiden kann. Warum man sich diesen Widerspruch antun soll, das begründet einem keiner – höchstens tautologisch in der Form, dass andernfalls Intoleranz und Streit herrschen würden. Der Wert soll sich wohl von selbst verstehen.

Dabei ist er im Zeichen des Vormarschs rechter Parteien in Europa gar nicht mehr unumstritten: Während seine Anhänger das Aushalten von Gegensätzen für die Voraussetzung von gesellschaftlicher Harmonie und freier Selbstbestimmung halten, sehen die rechten Kritiker in demokratischer Toleranz das Ende aller Werte und verbindlichen Sitten, die ein Volk ausmachen und zusammenhalten.
Recht haben beide nicht.

Die Gründe dafür – neben noch anderen schlechten Nachrichten von diesem edlen Wert bietet liefert der Workshop.

 

 

Gruppe farbeRot

Wieder einmal fand eine UN-Klimakonferenz statt, diesmal in Bonn. Wieder wurde die „Klimakatastrophe“ beschworen. Wieder wurde gefeiert: Fast alle Staaten stellen sich seit Paris ihrer Verantwortung für dieses „Menschheitsproblem“! Und wieder wurde gleichzeitig bekanntgemacht: Ungeachtet aller Katastrophenszenarien steigt die CO2-Emmission weltweit. Gerade die „großen Industrienationen“ blasen munter weiter „Treibhausgase“ in die Luft.

Insbesondere auch der Gastgeber Deutschland wird seine Emissionsziele verfehlen.
Ein schreiender Widerspruch, dass sich „ausgerechnet das Land, das die Energiewende erfunden hat“, in der „internationalen Schmuddelecke“ (Hamburger Abendblatt) befindet? Ein eklatantes Versagen aller Staatenlenker, die ihre „Verantwortung für den blauen Planeten“ den „Lobby-Interessen“ der Wirtschaft „opfern“ (Greenpeace), also die Rettung der Menschheit an die Profitinteressen der Industrie verraten?
Nein. Die Staatenlenker lassen keinen Zweifel, dass sie nicht die Sorgen der Menschheit verraten, wie diese Kritiker ihnen vorwerfen. Sie definieren das Menschheitsproblem anders, wenn sie mit der Erderwärmung und ihren Folgen kalkulieren: Da nehmen die einen Politiker Störungen ins Visier, die entwurzelte und fliehende Menschen ihnen, ihren geordneten Verhältnissen antun könnten; andere rechnen mit der Chance des profitförderlichen Umbaus der Energieerzeugung für die nationale Wirtschaft und damit, der „Menschheit“ neue Technik zu verkaufen. Deutschland exemplarisch:
„Dies alles geschieht in der Überzeugung, dass die Transformation hin zu einer emissionsarmen Wirtschaftsweise – richtig angelegt – große Wachstumschancen bietet. Erneuerbare Energien, ressourcen- und kostensparende Effizienztechnologien, klimaschonende Neuerungen im Gebäudebereich und im Verkehr – das und anderes mehr wird auf den Märkten weltweit an Bedeutung gewinnen.“ (Merkel) Ist das „Menschheitsproblem Klima“ am Ende gar nicht das – ewig verratene – Ziel, sondern ein ebenso wohlklingender wie passend ausgreifender Zuständigkeitsanspruch für eine deutsche Standortoffensive beim Geldverdienen weltweit? Ist der Kampf um die internationale Verankerung von Klimazielen und für eine emissionsarme Wirtschaftsweise ein Mittel für nationale Wachstumsoffensiven, und ist der Dauer-Streit um diese Klimaziele und ihre Umsetzung die Konkurrenz der Nationen darum?
Dafür spricht viel. Und mancher „schreiende Widerspruch“ ist dann gar keiner. Deutschland z.B. besteht nicht nur auf seiner internationalen Vorreiterrolle in der Klimafrage und darauf, dass es für die anderen Staaten „kein Zurück“ geben darf hinter das Pariser Klimaabkommen; Deutschland besteht auch darauf, dass weiter rund 40% des Stroms aus der Braunkohle, dem „Klimakiller Nummer 1″ (Hamburger Abendblatt) gewonnen wird:
„Es geht es auf der anderen Seite aber auch um soziale Fragen und Arbeitsplätze zum Beispiel im Zusammenhang mit der Frage der Reduktion der Kohle.
Dabei geht es auch um Wirtschaftlichkeit; das heißt, um die Bezahlbarkeit von Energie. Auch in einem reichen Land, wie wir es sind, sind natürlich erhebliche Konflikte in der Gesellschaft vorhanden, die wir vernünftig und verlässlich lösen müssen.“ (Merkel)
Ein interessantes Dilemma, das die Kanzlerin allen Insassen ihres Landes da vorbuchstabiert: Lohn oder Schutz vor den Klimafolgen. Und sie sagt ja gleich dazu, wofür das einzig sprechen darf: für ihre Politik des deutschen Wachstums…

 

PunXpalast – Programm

Punk ohne Ende und wahrscheinlich den ein oder anderen Workshop – tba.

Waldbühne Action

tba