Awareness? Ein Camp für (fast) alle!

Das AMS soll ein Ort sein, an dem sich die Menschen wohlfühlen und entfalten können, die wollen (und praktizieren), dass sich alle Menschen wohlfühlen können!

Wir leben in einer Gesellschaft, in der Sexismus, Rassismus und andere Formen der Diskriminierung und Unterdrückung zum alltäglichen Erscheinungsbild gehören. Auch vor Räumlichkeiten und Veranstaltungen mit libertärem und emanzipatorischem Anspruch machen Übergriffe solcher Art leider keinen Halt, allerdings wollen wir sie hier während des Camps nicht dulden.

Um die vorhandenen Hierarchien und Unterdrückungsmechanismen überwinden zu können, müssen wir sie und unsere eigene Rolle dabei erkennen, reflektieren und jeden Tag aufs Neue hinterfragen.

Das Awareness-Konzept möchte einerseits für einen respektvollen, auf persönliche Grenzen achtenden Umgang sensibilisieren. Andererseits diejenigen stärken, zu Wort kommen lassen und unterstützen, welche Unterdrückung, Diskriminierung und Übergriffe wie Grenzverletzungen erleben.

Durch einen Infotisch mit Flyer und Broschüren sowie Plakate auf dem Veranstaltungsgelände werden wir auf die Thematik aufmerksam machen und Raum für Austausch und Sensibilisierung anbieten. Wir werden unser Konzept in den Plena vorstellen, um es möglichst vielen Menschen vorzustellen.

Dieses Konzept beinhaltet außerdem für den direkten Umgang mit grenzverletzenden Situationen und Übergriffen während des Camps folgende Unterstützungsmöglichkeiten: Ansprech- und Begleitpersonen sowie spezielle Rückzugsmöglichkeiten (safer spaces) auf dem Gelände.

Damit auf dem Camp eine Awareness-Struktur aufgebaut werden kann, braucht es viele Menschen, die sich aktiv einbringen.

Im Folgenden etwas ausführlichere Infos zum Konzept:
Die Ausarbeitung eines Konzepts für den direkten Umgang mit grenzverletzenden Situationen und Übergriffen auf dem Camp kann folgendermaßen aussehen:
Ein Safer Space ist ausgeschildert und steht als Rückzugsmöglichkeit und Schutzraum zur Verfügung. Zusätzlich besteht jederzeit die Möglichkeit, sich an das Awareness-Team zu wenden. Die mitgeteilten Informationen werden vertraulich behandelt und werden die Awareness-Gruppe nicht verlassen.
Unterstützung kann nicht immer, in einigen Fällen auch gar nicht, von der eigenen Bezugsgruppe gegeben werden. Sei es, weil die eigene Bezugsgruppe ebenfalls betroffen oder sogar ursächlich für die Situation ist.
Unterstützung durch die Awarenessgruppe kann beispielsweise in Form von entlastenden Gesprächen oder das Anbieten eines sicheren Orts (safer space) erbracht werden. Manchmal kann es auch erforderlich sein, die grenzüberschreitende Person mit Hilfe des Schutzteams vom Camp zu verweisen.
Grundsätzlich erkennt das Awareness-Team an, dass nur die Person, die eine Grenzverletzung erlebt hat, diese für sich so definieren kann. Kein anderer Mensch kann für diese festlegen, was diese erlebt hat oder wie sie sich damit fühlen soll.
Das heißt, dass die subjektive Erfahrung und das Erleben der betroffenen Person im Mittelpunkt steht und nicht in Frage gestellt oder bewertet wird. Die Unterstützung des Awareness-Teams soll sich dann soweit wie möglich nach den Wünschen dieser Person richten. Mögliche Sanktionen gegen die grenzüberschreitende Person sollen in einem gemeinsamen Prozess zwischen Awareness-Team, eventuell dem Schutz und der betroffenen Person ausgehandelt werden.
Das Awareness-Team kann aber nur zeitweilig auffangen und eine erste Unterstützung sein. Gerade bei traumatischen Erlebnissen ist es ein langfristiger Prozess, den die betroffene Person selber durchlaufen muss.

Aufgrund unserer Erfahrungen vom letzten Mal möchten wir an dieser Stelle in Punkto Selbst-Verantwortung auf die Dynamik von Gerüchten und Mobbildungen hinweisen. Beim AMS 2014 kam es zu sehr aufgeladenen Situationen, in die viele Menschen involviert waren. So etwas wollen wir für die Zukunft vermeiden. Wir wollen Unsicherheiten, Konflikten, Gerüchten und Mobbildungen vorbeugen. Damit das funktioniert brauchen wir Eure Hilfe. Bitte wendet Euch an uns, wenn Ihr über etwas beunruhigt seid, es Euch nicht gut geht oder wenn Ihr viele Gerüchte über stattgefundene Übergriffe hört und Ihr mitbekommt, dass die Stimmung auf dem Camp schlechter wird. Nähere Informationen über unser Konzept und an wen Ihr Euch wenden könnt, erhaltet Ihr von uns auf dem Camp, beispielsweise bei den täglichen Orga-Inputs.

Die Awareness-Struktur ist kein in Stein gemeißeltes Konzept – es wird sich mit den auftretenden Situationen weiterentwickeln und besser werden. Wir freuen uns, wenn ihr an dieser Entwicklung teilnehmen wollt und dazu beitragt, das Miteinander allgemein und ganz speziell auf dem AMS zu verbessern.

Wir freuen uns über Anregungen und konstruktive Kritik oder vielleicht habt ihr auch Bock die Awareness/ Schutz Struktur zu unterstützen!? Ihr könnt die Crew über folgende Mail Adresse erreichen: Prinzess_am(at)riseup.net

Einige Gefährt*innen, die Sexismus, Rassismus und andere diskriminierende Verhaltensweisen, auch in der eigenen Szene, zum Kotzen finden!