Auch linke Räume sind nicht diskriminirungsfrei. Aus diesem Grund gibt es auch auf dem ams ein Awareness-Team. Um auf dem ams awareness umzusetzen benötigen wir dringend Menschen die Lust haben eine Schicht zu machen. Denn, Awareness betrifft uns alle!

Was ist awareness? Was sind meine Aufgaben am Awarenessstand und wie führe ich ein Betroffenengespräch?
Wenn es um awareness und Unterstützung von Betroffenen geht, besteht oft die Unsicherheit, dies nicht leisten zu können.
Damit alle eine Awarenessschicht übernehmen können, möchten wir in diesem Workshop praktische Anleitungen geben und Handlungsoptionen aufzeigen. Es soll darum gehen Awareness kennenzulernen und ein Grundverständnis über das Konzept und die Umsetzung zu entwickeln.
Neben diesem theoretischen Input soll viel Raum für Gespräche, Fragen, Übungen und Diskussionen gegeben werden.
Der Workshop, für den kein Vorwissen nötig ist, gilt als Grundlage für eine Schicht auf dem ams.
Wer nicht am Workshop teilnehmen kann und dennoch eine Schicht machen will, kann uns gerne kontaktieren.

Workshop Programm

Das Programm ist eine vielfältige und interessante Mischung aus Workshops und Vorträgen, die sowohl für Einsteiger*innen geeignet sind als auch tiefer gehend auf die Themen eingehen und aktuelle politische Geschehnisse wie auch linke Dauerbrenner behandeln.

Die genauen Termine der Vorträge erfahrt ihr auf dem Camp. Die ersten Vorträge sind Donnerstag Abend und die letzten Samstag Nachmittag.

Donnerstag

21:00 - 23:00 Uhr:

  • "Guter Sex kostet nunmal Geld" (Gruppen gegen Kapital und Nation)
    • Diskussionsveranstaltung zum Thema Sexarbeit
  • Marxismus, Feminismus und die Suche nach dem revolutionären Subjekt (Franzi)
    • am besten geeignet für Menschen, die sich schon über ein paar Basics in marxistischer Theorie verfügen

23:00 Uhr - open End:

  • 10 Jahre ams+ oder 30 Jahre AMS!? (A.M.S.)
    • zur Theorie das maxxxismus

Freitag

11:30 - 14:00 Uhr:

  • Das Finanzkapital - Teil 1 (Gruppen gegen Kapital und Nation)
    • Wirtschaftswissenschaftliche Vorkenntnisse nicht erforderlich
  • Klimapolitik - Teil 1 (Gruppen gegen Kapital und Nation)
  • Geschlecht im Kapitalismus (riff)
  • Geistige Verarbeitung von Arbeitslosigkeit
  • Theoriearbeit und Geschlechterverhältnis (Anna Anders)
  • OKF-Diskussionsrunde (Jules, AMS-Orga)

16:00 - 18:30 Uhr:

  • Real Men Are Feminists?! Zu Widersprüchen und Notwendigkeit von pro-feministischer Männerpolitik (Kim Posster)
  • Das Finanzkapital - Teil 2
  • Klimapolitik - Teil 2
  • §218 „Dein Bauch gehört dir, dein Staat sagt wofür“ (Gruppen gegen Kapital und Naton)
  • Kritik der Konsumkritik
  • Erinnern um zu Vergessen. Erinnerungskultur zwischen Aufarbeitung und Instrumentalisierung
  • Was ist Antisemitismus (OAT Konstanz)
  • Kapitalismus und Sozialstaat (Renate Dillmann)

Samstag

12:00 - 14:30 Uhr:

  • Make Rojava Green again - Naturzerstörung und Ökologie in Kurdistan (Anselm Schindler)
  • Kritik der Konsumkritik
  • Naturwissenschaft im Kapitalismus (Gruppen gegen Kapital und Nation)
  • Der Staat das sind wir alle? Eine Einführung. (Gruppen gegen Kapital und Nation)
  • Über den Wert des Nichtstun (Franziska)
  • Novemberrevolution (Gruppe K)

16:00 - 18:30 Uhr:

  • Feels like a Revolution - Eine feministisch philosophische Kritik des Gefühls (Kim Posster)
  • Rojava - mit dem Rücken zur Wand? (Anselm Schindler)
  • Sex, Gender und Biologie – von vermeintlichen Unterschieden und naturwissenschaftlicher Hybris (Offenes Antifaschistisches Treffen Konstanz)
  • Psychologiekritik (Gruppen gegen Kapital und Nation)
  • Aussageverweigerung (Rote Hilfe)
  • Warum Rüstung, Armeen und Krieg für diese Welt unverzichtbar sind (Renate Dillmann)
  • Spontis: Eine Geschichte antiautoritärer Linker im roten Jahrzehnt (Sebastian Kasper)
  • Die Krise in Griechenland, Sparpolitik durch Zwang und das Potential der Selbstorganisierung

Gruppen gegen Kapital und Nation

Sexarbeit – einige sehen darin einen Ausdruck fortschrittlicher, selbstbestimmter Sexualität, für
viele Andere ist es der Hort alles Bösen.
Aber warum entdecken viele Leute gerade dort, was ihnen an anderer Stelle zumeist nicht auffällt,
nämlich Sexismus und die Zumutungen von Arbeit gegen Geld?
In der Veranstaltung wollen wir uns auf den Fall männlicher* Kundschaft und weiblicher*
Anbieterschaft von Sexarbeit konzentrieren. Eine These, die wir zur Diskussion stellen möchten, ist,
dass es vor allem die Idealisierung und besondere Stellung von Sexualität in dieser Gesellschaft ist,
die Sexarbeit zum ständigen Quell langer empörter Diskussionen macht, und nicht primär die
dortigen Arbeitsbedingungen. Wir meinen außerdem, dass Sexarbeit nicht Verrat an der „schönsten
Sache der Welt“ ist, sondern die konsequente Weiterführung eines Bezugs, den die meisten
Männer* sowieso auf Frauen* haben. Deshalb soll es auf dieser Diskussionsveranstaltung weniger
um die Frage gehen, was Frauen* dazu bewegt, Sexarbeiter*innen zu werden, sondern vielmehr
darum, was Männer* sich von der Inanspruchnahme von Sexarbeit versprechen und was man daran
über Frauenbilder in dieser Gesellschaft in Erfahrung bringen kann.
Nicht zuletzt wollen wir außerdem einen Blick darauf werfen, welche Blickwinkel der deutsche
Staat auf Sexarbeit hat, welche Gründe es von staatlicher Seite aus gab und gibt, Sexarbeit sowohl
zu legalisieren als auch zu regulieren und wie dieses Projekt eigentlich gerade läuft.

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1 Kundenzitat aus einem „Freierforum“

Franzi

“Identitätspolitik vs. soziale Frage? Darüber ist die Linke doch spätestens seit der Debatte um Neue Klassenpolitik hinweg. Alle wissen doch, das revolutionäre Subjekt trägt nicht nur Blaumann.”
Aber Vorwürfe, der Feminismus beschäftige sich nur mit kulturellen Fragen oder der Marxismus fokussiere sich ausschließlich auf Ökonomie, halten sich hartnäckig. Eine Analyse, die Feminismus und Marxismus konsequent zusammendenkt, schafft es viel zu selten ins Zentrum der aktuellen Debatten.

Dabei sollte eigentlich klar sein: eine konsequent gedachte marxistische Theorie und Praxis kann feministische Debatten gar nicht ausklammern, sondern ist durchaus in der Lage diese zu bereichern. Schon Marx formulierte den Anspruch einer umfassenden Gesellschaftsanalyse und diese muss notwendigerweise das Zusammenspiel von Ausbeutung und Unterdrückung miteinbeziehen. Dementsprechend denkt der Marxismus-Feminismus die kapitalistische Gesellschaft immer konkret und als Ganze. Frauenunterdrückung ist integraler Bestandteil des jetzigen Kapitalismus. Daraus ergeben sich wichtige Erkenntnisse über die gesellschaftlichen Kampfbedingungen und freilich auch für die berühmte Suche nach dem revolutionären Subjekt. Der Workshop möchte dementsprechend das Konzept des Marxismus-Feminismus vorstellen und argumentiert, dass dieses für eine linksradikale Theorie und Praxis notwendig ist.

Gruppen gegen Kapital und Nation

Im Zuge der 2007 ausgebrochenen Finanzkrise war die Existenz des Bankwesens akut bedroht. Sein tatsächlicher Untergang wurde durch Staatseingriffe verhindert, weil der Finanzsektor „systemrelevant” sei.

Die ganze Besprechung der Krise und ihrer Bewältigung lebt von einer unverwüstlich guten Meinung über das Bankwesen: Eigentlich habe es eine höchst ehrenwerte und unbestreitbar nützliche Aufgabe, nämlich die Versorgung der „Realwirtschaft" mit Kredit. Erst die Loslösung von diesem grundsoliden Geschäft (gerne mit der deutschen Sparkasse als Positivbeispiel und der angloamerikanischen Investmentbank als Negativbeispiel bebildert) habe den Grundstein zur Finanzkrise gelegt.

Diese Vorstellungen, lassen sich mit leichten Variationen in so ziemlich jedem Beitrag zum Thema finden. Deswegen ist es lohnend, sich die vielgelobte Grundlage des Bankgeschäts, namlich das Geschäft mit dem Leihkapital, näher anzuschauen. Dabei sollen folgende Fragen diskutiert werden:

Wer braucht in dieser Gesellschaft Kredit? Und warum?

Sind die Banken mit ihrem Geschäft wirklich nur Vermittler zwischen denen, die gerade Geld übrig haben, und anderen, die gerade welches brauchen?

Was für Abhängigkeiten stiftet das Bankwesen zwischen den Wirtschaftssubjekten? Und ist das ein guter Grund, den Banken für das Gelingen ihres Geschäfts die Daumen zu drücken?

Im Workshop wird genügend Raum zur Diskussion sein. Wenn Ihr also Dinge über das Bankgeschäft gehört/gelesen habt, bei denen Ihr Euch unsicher seid, was daran stimmt, könnt Ihr die gerne ansprechen. Dann können wir überlegen, an welcher Stelle des Workshops am besten darauf eingegangen werden kann.

Wirtschaftswissenschaftliche Vorkenntnisse sind übrigens nicht erforderlich.

Gruppen gegen Kapital und Nation

Der menschengemachte Klimawandel wurde vor über 100 Jahren vorhergesagt, seit über 50 Jahren ist er durch Messungen bestätigt und seit dem wird vor seinen katastrophalen Folgen gewarnt. Seit fast 25 Jahren finden jährlich die UN-Klimakonferenzen statt, die zu den größten diplomatischen Treffen der Weltgeschichte gehören.

Warum steigt der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen trotzdem die ganze Zeit – sogar exponentiell? Sind die Politiker zu faul? Warum wird Angela Merkel abwechselnd Klima- und Autokanzlerin genannt? Sind Politiker von der Industie gekauft? Stimmt es eigentlich, dass „unser“ Lebensstil schuld ist, wie einem immer wieder erzählt wird?

Diese Gesellschaft kennt lediglich zwei Geschlechter und nahezu alle Dinge sind irgendwie geschlechtlich sortiert: Angefangen vom Babyspielzeug über die Berufswahl bis zur Frage, wer wo welche Haare tragen und wer beim Küssen den ersten Schritt machen darf. Die Zuordnung zu entweder Mann oder Frau wird gesellschaftlich eingefordert und Abweichungen in unterschiedlicher Gewaltförmigkeit bestraft.

Warum darf mensch offiziell und in den meisten Köpfen nur „Mann“ oder „Frau“ sein und welche Ansprüche werden an die beiden erlaubten Geschlechter herangetragen? Im Workshop soll es darum gehen, wie sich die Konsequenzen dieses eigentlichen “Gender-Wahns” erklären lassen und was dieser mit dem Kapitalismus zu tun hat.

Anna Anders

Die Referent*in geht der Frage nach wieso das Geschlechterverhältnis so unausgewogen ist, wenn es um theoretische Arbeit geht. Sei es in der Uni, bei Vorträgen und Diskussion oder beim linken Lesekreis. Was hemmt Frauen* daran sich in die theoretische Arbeit zu stürzen? Wieso brauchen wir überhaupt Theorie? Welche Probleme gibt es vielleicht von Seiten der Theorie selbst und was ist ein "intellektueller" Habitus? Und was hat das alles mit Reproduktions- und Produktionsspähre und dem Subjekt - Objekt - Verhältnis zu tun?

Aus einer theoretisch-praktischen Perspektive wird sich diesen Phänomenen und Fragen genähert, "mensplaining" und "hepeating" erklärt und im Anschluss daran können praktische Vorschläge für die Verbesserung der Situation diskutiert werden. Der Vortrag versteht sich als Teil der feministischen Theoriebildung und möchte vor allem Frauen* ermutigen
sich kritisch mit Theorie auseinanderzusetzen. Unterfüttert wird das Ganze mit teils lustigen, teils traurigen Beispielen aus 10 Jahren praktischer Erfahrung mit theoretischer Arbeit.

Frauen*/Männer* steht für all jene, die sich in diesen Kategorien verorten und/oder die in solche gesteckt werden.

Kim Posster

Im Alltagsverständnis scheinen Gefühle keine objektive Gültigkeit zu haben. Sie erscheinen nicht für die Verallgemeinerung geeignet und bedrohen sogar die "Neutralität" z.B. akademischer oder politischer Diskurse. Emotional sein, heißt irrational sein. Gleichzeitig scheinen Gefühle für eine innere Wahrheit zu bürgen, über die ein Urteil schnell als anmaßend empfunden wird. Wie kommt es, dass Emotionen so oft der
denkenden Vernunft gegenübergestellt werden? Wie und warum wird die Ratio mit dem Männlichen und das irrationale Spüren mit dem Weiblichen verbunden? Müssen Gefühle etwa überwunden werden, um die Freiheitsversprechen der Aufklärung einzulösen, oder sind sie der letzte Hoffnungsschimmer der Emanzipation in einer bis zum Äußersten rationalisierten Welt?

Im Vortrag soll ein philosophisch-feministischer Blick auf Gefühle eröffnet werden, der das Fühlen als Element der Erkenntnis- und Gesellschaftskritik zu ihrem Recht kommen lässt, ohne dabei die Kritik am Kult der Emotion in kapitalistischen und patriarchalen Verhältnissen auszusparen.

Kim Posster, Leipzig, publiziert zu materialistischem Feminismus und Pro-feministischer Männerpolitik.

Gruppen gegen Kapital und Nation

Nach der Erklärung des gewöhnlichen Leihgeschäfts der Banken soll es im zweiten Teil des Workshops um das Wertpapier gehen. Einige Punkte fallen bei der Betrachtung dieses Geschäftszweiges auf:

Das schnelle Wachstum des angelegten Kapitals

Die erreichten Kapitalgrößen, die deutlich größer sind als das im industriellen Sektor angelegte Kapital

Sich kritisch dünkende Menschen – durchaus auch von links – wollen hierin eine Entkopplung des Finanzkapitals von der „Realwirtschaft” entdecken und halten das für ein Problem. Diese Entkopplung soll dann zu Bildung von „Spekulationsblasen” und damit zur besonderen Krisenanfälligkeit des Finanzkapitals führen.

Die oben geschilderten Phänomene und ihre öffentliche Deutung werfen einige Fragen auf:

  • Wie entsteht das Wachstum des Finanzkapitals, dessen Umfang und Geschwindigkeit als Indiz für “Blasenbildung” genommen werden?

  • Wächst das Finanzkapital tatsächlich unabhängig von der “Realwirtschaft”?

  • Wann und warum schlägt das Wachstum in eine Krise um?

  • Wie sieht die Rettung des Finanzkapitals durch den Staat aus? Und warum wurde der Staat hier überhaupt tätig?

Im Workshop wird genügend Raum zur Diskussion sein. Wenn Ihr also Dinge über die Wertpapierspekulation/das Finanzkapital gehört/gelesen habt, bei denen Ihr Euch unsicher seid, was daran stimmt, könnt Ihr die gerne ansprechen (am besten zu Beginn des Workshops). Dann können wir überlegen, an welcher Stelle des Workshops am besten darauf eingegangen werden kann.

Wirtschaftswissenschaftliche Vorkenntnisse sind auch hier nicht erforderlich.

Gruppen gegen Kapital und Nation

Die Entscheidung für oder gegen das Austragen einer Schwangerschaft überlässt der deutsche Staat nicht einfach Schwangeren allein, sondern erklärt diese Frage zu seiner Angelegenheit: alle Schwangerschaftsabbrüche sind in Deutschland grundsätzlich unter Strafe gestellt, wobei die aktuell gültige Rechtslage verschiedene Bedingungen vorsieht, unter denen Schwangerschaftsabbrüche ausnahmsweise straffrei durchgeführt werden dürfen.

Diese im Wesentlichen seit 1995 unverändert geltende „Fristenlösung mit Beratungspflicht und Indikationen“ wird von Seiten der Politik als „tragfähiger Kompromiss“ zwischen dem „Lebensrecht der Leibesfrucht“ und dem „Selbstbestimmungsrecht der Frau“ gehandelt; die verpflichtende Beratung wiederum gilt als ergebnisoffenes Hilfsangebot für Schwangere in einer „Not- und Konfliktlage“.

In der Veranstaltung wollen wir uns auf Grundlage entsprechender Gesetzestexte und Verfassungsgerichtsurteile anschauen, welche Inhalte und Ansprüche sich hinter dem „Recht auf Leben“ einerseits und dem „Recht auf Selbstbestimmung“ andererseits verbergen und auf welche Weise die §§ 218-219 StGB den Konflikt zwischen diesen beiden Rechten zu vermitteln versuchen.

Zur Diskussion der Frage, warum und wie der Staat auf Willen und Gewissen ungewollt Schwangerer Einfluss zu nehmen versucht, soll dabei insbesondere auf die Ziele und Inhalte der verpflichtenden Schwangerschaftskonfliktberatung eingegangen werden.

Folgende Fragen sollen in der Veranstaltung diskutiert werden:

- Warum überhaupt stellt der Staat Schwangerschaftsabbrüche unter Strafe?

- Wie kann die Teilliberalisierung des §218 erklärt werden?

- Was ist eigentlich ein „Recht auf Leben“?

- Was verbirgt sich hinter dem „Recht auf Selbstbestimmung“?

- Welchen Zwecken dient die staatl. verordnete Zwangsberatung vor Schwangerschaftsabbrüchen?

- Welche Kritiken von linker und rechter Seite gibt es an der aktuellen Gesetzeslage und wie sind diese zu beurteilen?

Larissa Schober

Erinnerungskultur hat Hochkonjunktur – Kulturwissenschaftler*innen diagnostizieren seit den 1990er Jahren einen sogenannten „Memory Boom“. Damit einher geht auch eine kritischere Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Das hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass „Erinnern“ häufig als etwas per se Positives verstanden wird. Doch hier ist ein kritischer Blick angebracht. In Freiburg hat zuletzt die Debatte um den Gedenkbrunnen auf dem Platz der alten Synagoge gezeigt, welche Fallstricke auch eine gute gemeinte Erinnerungskultur mit sich bringt.

Auch im Zuge dieser Debatte kamen Fragen auf, die sich im Umgang mit der Vergangenheit stets stellen, die aber häufig nicht explizit artikuliert werden: Was genau bedeutet Erinnern eigentlich? Wer erinnert was und zu welchem Zweck? Und was wird bewusst „vergessen“? Mit der Planung eines NS-Dokumentationszentrum in Freiburg sollten diese Fragen unbedingt gestellt werden.

Der Vortrag führt daher in theoretische Aspekte der Erinnerungsforschung ein, die für die Praxis relevant sind. Es wird unter anderem darum gehen, welche Funktion kollektive Erinnerung für ganze Gesellschaften, aber auch für einzelne Opfergruppen hat, wie Vergangenheitsvermittlung didaktisch funktioniert und wo Probleme liegen – von der Reproduktion von Täter*innenblicken bis hin zur Instrumentalisierung von Gedenken. Auf dieser Basis werden an konkreten Beispielen – vom Platz der alten Synagoge bis zum Holocaust Museum in Washington – gelungene und weniger gelungene Erinnerungsorte diskutiert.

Larissa Schober ist Redakteurin im iz3w und hat zu Erinnerungsarbeit in Post-Konflikt-Gesellschaften geforscht.

Anselm Schindler, Ökologieaktivist und Autor

Die ökologische Krise verschärft sich auch in Kurdistan. Krieg, Ölwirtschaft und Dürren entreißen zehntausenden Menschen ihre Lebensgrundlagen. Und es ist kein Ende in Sicht: Im kurdisch geprägten Norden Syriens (Rojava) droht wieder Krieg, die türkische Armee hält dort mit Unterstützung von Nato-Staaten wie Deutschland bereits die Region Afrin besetzt. Und auch die Wasserkrise wird vom türkischen Staat verschlimmert, weil er in den kurdischen Gebieten der Türkei riesige Staudämme baut, die dem Irak und Syrien das Wasser abschneiden. Doch es gibt Ideen und konkrete Projekte zur Lösung der ökologischen Krise. Die Revolution, die 2012 in Rojava gegen das Assad-Regime losbrach, versteht sich auch als Aufbruch in eine Gesellschaft, die in Einklang mit der Natur steht. Dieser Aufbruch wird auch von solidarischen Menschen aus anderen Teilen der Welt unterstützt, die nach Rojava gekommen sind, um Teil der Revolution zu sein. Sie haben die Kampagne Make Rojava Green Again gestartet, um gemeinsam mit den Leuten vor Ort an der Wiederaufforstung der Region teilzunehmen und Modelprojekte für dezentrale Energie- und Wasserversorgung aufzubauen. Der Referent Anselm Schindler ist Teil der Kampagne und war bereits mehrfach in Kurdistan. Mit ihm wollen wir diskutieren, was das alles für uns bedeutet. Und warum die soziale und die ökologische Frage zusammengehören – in Kurdistan und überall.

Vortrag und Buchvorstellung von Sebastian Kasper

Die Spontis sind den meisten heute allerhöchstens wegen ihrer Sprüche oder einiger weniger prominenter Aktivisten wie Joschka Fischer und Daniel Cohn-Bendit bekannt. Dabei wird vergessen, welche Bedeutung sie in den Jahren nach dem Zerfall der 68er-Revolte für das folgende „rote Jahrzehnt“ hatten und wie prägend sie für das linke Milieu bis heute sind. Während sich Tausende Aktivist*innen Vorbildern wie Mao, Stalin oder der DDR zuwandten, hielten
diejenigen, die später Spontis genannt werden sollten, an den Versprechen der
antiautoritären Revolte fest und wurden so zu wichtigen Wegbereiter*innen für
die undogmatische Linke der kommenden Jahrzehnte.

Gruppen gegen Kapital und Nation

„Wissen ist Macht“ hat sicherlich jede/r schon einmal als Schlagwort gehört. Und dass wir in einer „Wissensgesellschaft“ leben, erfährt man ja regelmäßig aus Politikerreden und Zeitungen. Zunächst scheint das ja auch zu stimmen: Ohne sehr weit gehendes Wissen über naturwissenschaftliche Zusammenhänge gäbe es weder Antibiotika noch Flugzeuge. Umgekehrt werfen kritische Geister der Naturwissenschaft gerne allerlei unangenehme Folgen vor: Atombomben, Bienensterben und Klimawandel.

Andererseits kommt Wissen in einer seltsamen Art und Weise vor:

Ein Großteil der Bevölkerung wird – entgegen dem Gerede von der Wissensgesellschaft – von fundiertem Wissen über die Natur ausgeschlossen. Wer in der schulischen Auslese nicht in den oberen Rängen landet, erfährt nur wenig über die Grundlagen der Technik mit deren Anwendung er/sie dennoch tagtäglich konfrontiert ist.

Soweit es für die Produktion auf Wissen ankommt, z.B. für ein neues Produkt oder ein verbilligtes Produktionsverfahren, geht kein Unternehmen hin und stellt es allgemein zur Verfügung (obwohl es doch die eigenen Kenntnisse durch Weitergabe des Wissens nicht verlieren würde). Stattdessen werden Anstrengungen unternommen (und vom Staat durch entsprechende Gesetze unterstützt), alle anderen von diesem Wissen oder wenigstens seiner Nutzung auszuschließen.

Grund genug, sich einmal näher damit zu beschäftigen, welche Funktion Wissen im Kapitalismus hat und welcher Umgang mit naturwissenschaftlicher Erkenntnis aus dieser Funktion folgt.

Ein diskussionsreicher Workshop, der sich mit dem Thema Zeit und dessen Verwertbarkeit als lebensstrukturierendes Element auseinandersetzt. Wir werden uns fragen, wo die Linie zwischen Tun und  Nichtstun verläuft, welche Tätigkeiten als produktiv und somit ent-bzw. belohnungswürdig anerkannt sind, welchen Wert "Nichtstun" haben kann und wie unsere Utopie aussehen könnte.

Anselm Schindler, Ökologieaktivist und Autor

Die Demokratische Föderation Nordsyrien, sieben Jahre nach Beginn der Rojava-Revolution: Es rollen wieder Panzer an der Grenze zwischen den vom türkischen Staat besetzten Teilen Kurdistans und Rojava. Parallel zum Krieg des türkischen Staates gegen Guerilla-Stellungen in irakisch-Kurdistan greift das Erdogan-Regime auch die Demokratische Föderation Nordsyrien an. Was sind die Ursachen für das Ringen um die Neuaufteilung der Region? Welche Interessen verfolgen imperialistische Staaten wie Russland, der Iran und die USA in Westasien und Kurdistan? Und vor Allem: Wie geht es weiter? Wie kann die Revolution in Rojava überleben, inmitten des globalen Konfliktes um Syrien? Eingekeilt zwischen dem Assad-Regime und den Angriffen des türkischen Staates? Diesen Fragen geht der Referent in seinem Buch „Die Strategie der Rose“ nach. Er wird versuchen, die aktuellen Geschehnisse in Kurdistan und Westasien einzuordnen und einen Ausblick zu geben.

Offenes Antifaschistisches Treffen Konstanz

Wenn von Geschlecht die Rede ist, wird zur Aufrechterhaltung eines dichotomen (zweiteiligen) Geschlechterbilds oft über biologische Unterscheidbarkeit gesprochen. Diese so genannten  Geschlechtspolymorphismen (biologischer Begriff zu körperlichen Unterschieden bei Männern* und Frauen*) stellen das traurige Fundament für eine biologisch und damit scheinbar ‚objektiv‘ gegebene Zweigeschlechtlichkeit dar. Abweichungen der Dichotomie werden ausgegrenzt und unsichtbar gemacht, Männer* und Frauen* auf Gene, Triebe und Hormone reduziert. Wie aber sieht der aktuelle Forschungsstand in den Biowissenschaften tatsächlich aus, unterstützt er die vermeintlich leichte Unterscheidbarkeit der Geschlechter? In welchen Punkten gleichen oder unterscheiden sich die Erkenntnisse von denen moderner
sozialwissenschaftlicher Forschung? Diesen Fragen soll bei dem Vortrag nachgegangen werden. Außerdem wollen wir die grundlegende Frage beantworten, weshalb gerade eine seit Jahrhunderten ideologisch aufgeladene Wissenschaftsdisziplin als ‚objektiv‘ betrachtet und zur Legitimation sozialer Ungleichheiten genutzt wird.

Praxis - Workshop Programm

von Ronja und Stella

Ejakulierende Vulven? (Nie) Davon gehört? Einige ejakulieren mit ihren Vulven und sind vielleicht verunsichert, andere haben als fetischisierte Sexpraktik davon gehört, wieder andere ejakulieren ohne es zu wissen, nochmal andere ejakulieren und genießen es, während weitere davon wissen aber Anderes viel spannender finden und viele während/nach dem Sex dringend pinkeln müssen und sich vielleicht darüber wundern. Egal wozu ihr euch zählt, oder was ihr der Liste noch hinzufügen wollt: Ihr seid herzlich eingeladen zu einem Workshop zu Ejakulation mit Vulven. Hier wird’s Informationen zur Geschichte, Anatomie und Praxis der Ejakulation mit Vulven geben, sowie eine Austauschrunde zum Erzählen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede entdecken und Mythen-dekonstruieren zu dem was Körper können und nicht können!

Der Großteil dieses Workshops ist offen für alle Geschlechter. Am Ende wird es eine Frage- und Austauschrunde für Menschen mit Vulven geben, insbesondere für diejenigen, die am darauffolgenden „Vulva-Erkundungs“-Workshop interessiert sind.

Und nach den ganzen Worten? Wie sieht meine Vulva eigentlich aus? Wie ist die Anatomie meiner Lust beschaffen? Wie fühlt sich meine Prostata an? Wo genau befinden sich meine Harnröhre und meine Zervix und mögen sie es berührt zu werden? Ausgerüstet mit Spiegel und Spekulum, Achtsamkeit, Geduld und Selbstmitgefühl, werden wir in diesem Workshop zusammen auf praktische Erkundungstour gehen. Teil dieser Erkundungen sind außerdem Gesprächs- und Austauschrunden zu unseren Gefühlen und Erfahrungen sowie Entspannungs- und Lockerungsübungen für unsere Beckenboden.

Voller Entdecker*innenfreude werden wir unsere Vulven liebevoll erkunden und in unsere Lust und unsere Grenzen reinspüren. Ein gemeinsam gestalteter Ort, in dem Scham und Angst transformiert werden und das Unmöglich geglaubte möglich wird, ist für uns ein Ort der Befreiung. Ein Ort, der bestärken und beglücken kann und ein Schritt zu sexueller Freiheit und liebevoller Selbstbestimmung ist.

Dieser Workshop ist von und für Menschen mit Vulva konzipiert. Die Teilnahme am vorherigen Workshop „Vulvale Ejakulationen“ ist gewünscht. Es kann ein ganz (schön) aufregender Workshop sein, bitte sei dir dessen bewusst und schau, ob das gerade das Richtige für dich ist! Bei Fragen und Zweifeln kannst du dich gerne an uns wenden.

Gerne mitbringen: Handspiegel, ein Handtuch und Gleitgel o.ä

von Hüpfi

Die seit einigen Jahren erfolgreich vom emanzipatorischen Verhütungskollektiv Thomas Bouloù aus der Bretagne praktizierte Fruchtbarkeitskontrollmethode der slips contraceptifs ist der Hammer. Und die nicht-hormonelle "Pille für den Mann". Slips contraceptifs sind Verhütungsslips, die sie aus handelsüblichen Slips hergestellt werden. Gewissenhaft getragen erwärmen die Slips die Hoden ungefähr auf Körpertemperatur, was ausreicht um die fruchtbare Spermienproduktion (vorübergehend) zu stoppen. In dem zweiteiligen Workshop wird die Methode vorgestellt werden und ein Austausch mit sliptragenden Personen möglich sein. Dann werden unterschiedlichste Slip-Modelle genäht werden können. Das dauert seine Zeit. Daher wird es nachmittags einen weiteren Slot geben um die Schlüppis auch vollenden zu können.

Voraussetzungen: Es bedarf keiner Vorkenntnisse im Umgang mit Nähmaschinen. Falls ihr mobile Endgeräte dabei habt - bringt die mit um euch die Tutorials drauf zu ziehen. Wenn ihr eigene Unterhosen umnähen wollt - dazu eignen sich ausschließlich Slips mit starkem Gummizug. Es wird aber auch umnähbare Schlüppis geben.

von Robert Wilde.

Theater der Unterdrückten: Ein politisches Experiment Machtdynamiken finden sich in jeder Gruppe und Gesellschaft. In diesem Workshop wollen wir versuchen vom reinen Reflektieren in das Ausprobieren von Handlungsoptionen zu kommen. In verschiedenen Übungen und Szenen bearbeiten wir eure persönlichen Erfahrungen mit dem Themen Macht und Gruppendynamiken. Der Workshop wird ca. 4 Stunden dauern. Es wäre gut wenn ihr genug zu trinken und Klamotten mitnehmt in denen ihr euch gut bewegen könnt.

Weitere folgen in Kürze!

Waldbühne Programm

Auf der Waldbühne zeigen wir Theater und Musik aus den unterschiedlichsten Bereichen, wobei wir im Vorfeld nur die Acts aus dem Bereich Theater und Darstellung bekannt geben. Alles andere bleibt eine Überraschung, ihr dürft also gespannt sein.

Theater

Die Berliner Anarcho - Theatergruppe Act Absurdum zeigt ein Stück von einem passlosen Seeman und der konsequenten Ausbeutung im frühen 20. Jahrhundert. Der Stoff schwankt zwischen humorvollem Fatalismus und kritischer Zuversicht und ist heute noch genauso aktuell wie vor hundert Jahren.

Act Absurdum in Aktion

dokumentarisches Theater über eine Geschichte zwischen zwei Weltkriegen

Eine Revolution. In Deutschland. Und erfolgreich. Im November beendeten die Revolutionär*innen den Weltkrieg, verjagten den Kaiser, stürzten das System, erkämpften die Demokratie und das Frauenwahlrecht. Sie entwickelten zahlreiche gesellschaftliche Alternativen und Utopien. Doch die Revolution wurde verraten, brutal erstickt und hundert Jahre später ist sie fast vollständig vergessen.
Das nö theater nimmt den Karabiner in die Hand, wendet sich diesem blinden Fleck der Geschichte zu, sucht nach Ursachen, offenen Wunden und versucht in einem flammenden Plädoyer die Revolution dem Vergessen zu entreißen.

Noe Theater
Schauspiel: Soraya Abtahi, Natalie Buba, Anne K. Müller, Asta Nechajute, Sophie Roßfeld

eine Lesung

Stefanie Sargnagel schreibt radikal subjektiv und sehr weise über das sogenannte einfache Leben, über Feminismus, über Aussichtslosigkeit und Depression.
Sie gibt sich wortkarg, gerät aber doch immer wieder ins Erzählen, zeichnet zwischendurch auch mal was, sprengt alle Genregrenzen und erreicht auf nie betretenen Pfaden etwas, das man nicht Roman nennen muss, um davon gefesselt zu sein. Das ist oft zum Brüllen komisch und manchmal tragisch.

Stefanie Sargnagel

PunXPalast Programm

Wer beim Pogo unter die Räder gerät ist nicht selbst schuld daran, sondern es sind die Verhältnisse! Bei uns im Punxpalast ist nicht der Ellbogen der wichtigste Körperteil, sondern das wütend pochende Punker_innenherz.
Unser Beitrag zu Emanzipation und Austausch: Laute Musik, warmes Bier und die Chance auf ein wenig Bildung tagsüber.

Vielleicht gibts auch noch mehr Infos.

In jedem Fall Konterbier statt Morgenyoga.